Dienstag, 16. September 2008

Wann wird"s mal wieder richtig Herbst?

Gestern war der heisseste Tag nach dem "Midautumn Festival" seit 123 Jahren. Eigentlich laeutet die Feier den Herbst ein, aber diesmal wollte der Sommer wohl nicht gehen und wir haben immer noch 33 Grad - seit Mai!

Der chinesische Sankt Martin ist eine Dame und heisst Chang'e. Sie trank einen Unsterblichkeitstrank, der ihr erlaubt haette, in den Himmel aufzusteigen. Aus Liebeskummer blieb sie aber auf dem Mond in der Naehe der Erde und jeden Herbst, wenn man den Mond besonders klar und gross sehen kann, gedenkt man ihr. Einmal, indem man runde Mondkuchen mit seltsamen Fuellungen isst und indem man dem Mond Konkurrenz macht und die Nacht mit Laternen erleuchtet. Die Mondkuchen sind eigentlich mit einer Lotus- und Rote Bohnenpaste gefuellt, mit einem gesalzenen Eigelb in der Mitte, das den Mond darstellen soll. Da das aber selbst den Chinesen nicht wirklich schmeckt, erfinden alle Konditoren jedes Jahr neue Geschmackrichtungen: Sesam, Trueffel, Vanille, Gruener Tee, Huehnerfuesse....

Den Konditoren in Hong Kong kann man wenigsten auch trauen, dass da wirklich nur das drin steckt was drauf steht. Nicht so wie in China... Mann, koennte ich mich ueber diesen Babymilchskandal aufregen! Wie Firmen solche Sachen monatelang vertuschen koennen... Ja, wir haben ja alle verstanden, dass in China Manchester-Kapitalismus herrscht und vielleicht sind sie in hundert Jahren ja auch so weit wie England und haben Arbeiterrechte und von mir aus auch Gewerkschaften. Aber die Kosten zu senken, indem man die Mitarbeiter mehr arbeiten laesst, ist eine Sache, aber gleichzeitig auch noch keinerlei Qualitaetsstandards oder Skrupel zu haben...

Montag, 1. September 2008

Vermischtes

L. schlaeft und ich warte darauf, dass mich die Arztpraxis anruft und mir mitteilt, wann ich kommen soll. Ich habe zwar einen Termin um 12:30, aber da mein Arzt Belegbetten im Krankenhaus hat, wirft natuerlich jede Geburt den Plan komplett durcheinander. Aber ich bin ja froh, dass er das macht und vertreibe mir die Zeit mit Zeitung lesen.

Zwei Artikel haben mich heute besonders beschaeftigt. Zuerst vielleicht das Makabere und dann das Positive, damit mein Blog nicht so negativ endet. Das Makabere bezieht sich auf eine Bande, die gefasst wurde, weil sie in China mehr als 10 Menschen (meistens alte, alleinlebende oder geistig zurueckgebliebene - nicht, dass ich das irgendwie gleichsetzen moechte) getoetet und dann die Leichen verkauft haben soll. In China ist es traditionell sehr wichtig, Tote zu begraben, da eine Zerstoerung des Koerpers den Geist daran hindert, unversehrt ins Jenseits zu kommen. Da der traditionelle Glaube ja besagt, dass diese Geister den Lebenden Gutes tun und sie beschuetzen koennen, hat natuerlich eigentlich keiner ein Interesse daran, den Schutz durch Uroma oder -opa aufs Spiel zu setzen. Die Geister werden ja unter anderem auch mit den verschiedenen Papieropfergaben bei Laune gehalten (siehe Handys, Autos, Maids, Geliebte, etc.). Da China aber unglaublich viele Einwohner hat und man das Land entweder fuer absurde Baumassnahmen, Staudaemme oder Landwirtschaft braucht, wurde die Erdbestattung in den 5o-iger Jahren offiziell verboten.

Reiche Chinesen - und davon gibt es ja Tag fuer Tag mehr - haben nun aber einen Trick gefunden, wie sie den offiziellen Feuerbestattungszwang erfuellen und trotzdem ihre Ahnen heil ins Jenseits befoerden koennen. Sie kaufen sich eine Leiche bei einer dieser Banden und die wird dann feuerbestattet. Die Echte kann dann in aller Ruhe erdbestattet werden.

So und nun was Optimistisches: ein Professor fuer Umweltstudien in Hong Kong ist der Meinung, dass mit dem Praesidentenwechsel in den USA auch definitiv wieder ein Wandel Richtung Umweltschutz kommt, wie er in Kalifornien ja schon zu beobachten ist. Er glaubt, dass man irgendwann die Aera Busch nur noch als eine kleine Pause in der Umweltschutzfuehrerschaft der USA betrachen wird. Na ja, Fuehrerschaft? Kennt er Europa? Aber wenn sie sich da nach vorne arbeiten wollen, dann sollen sie das gerne machen. Das waere doch was. Jetzt hoffen wir mal, dass die Republikaner mit ihrer robbenschiessenden Vizepraesidentenkandidatin nicht gewinnen.

So, jetzt fahre ich so langsam los. L. wurde mittlerweile auch wach und wir waren kurz draussen in der schwuelheissen Waschkueche. Er hat mir erst seine Schuhe gebracht, dann meine und dann meine Handtasche. Das habe ich mal als Zeichen gesehen, dass er rauswollte und deswegen waren wir fuer 20 Minuten spazieren.

Urlaub zu viert

Vorletzte Woche flogen M., L. und ich in den ersten gemeinsamen Urlaub seit Februar vor der Geburt unseres Zwerges. Am Tag vor der Abreise gingen M. und ich gemeinsam zu meinem netten indischen Frauenarzt und versuchten mit Hilfe seines tollen 3D-Ultraschalls das Geschlecht unseres nun schon 17cm grossen Geschwisterchens festzustellen. Nachdem er uns einen Vortrag darueber gehalten hatte, warum man in Indien und China sich immer einen Jungen wuenscht, bestaetigte er uns zu 100% dass wir wohl ein Maedchen bekommen wuerden. Jawoll!! Ein Junge und ein Maedchen waere schon perfekt, aber ich lasse mir das sicherheitshaber morgen noch einmal bestaetigen. L. war schliesslich auch bis zur 24. Woche ein Maedchen und da haben wir noch drei Wochen bis dahin.

No more Olympia

Heute lass ich in der Zeitung, dass in Peking waehrend der Olympischen Spiele einige Auslaender festgenommen wurden, weil sie angeblich Passanten auf der Strasse bestohlen haben sollen. Der letzte Satz des vierzeiligen Artikels versicherte dann, dass sie aber keineswegs so effizient wie die einheimischen Taschendiebe gewesen seien. Die Chinesen sind also sogar stolz darauf, die besten Taschendiebe zu haben! Mein Gott, bin ich froh, dass die Olympischen Spiele vorbei sind.