Donnerstag, 28. Februar 2008

Andere Länder, andere Sitten....

Ich habe eben im Fernsehen einen Werbespot für ein Milchpulver für Vorschulkinder gesehen, dass angeblich ihre Leistungsfähigkeit beim Lernen steigern soll und dementsprechend passenderweise "Gain School Advance" heißt. Die Kinder werden hier schon sehr früh mit einem großen Lernpensum konfrontiert. Sie sprechen meistens kantonesisch zu Hause und müssen in der Schule englisch und mandarin dazu lernen, sind also idealerweise dreisprachig und das möglichst schnell. Nicht alle Eltern sprechen alle drei Sprachen, aber die Kinder sollen es ja einmal besser haben oder - bei den etwas bessergestellten Eltern - für die Ivy League vorbereitet werden.

Jetzt kann ja so ein Milchpulver nicht unbedingt schaden, aber als sie dann die Inhaltsstoffe anpriesen wurde ich doch stutzig. Vitamine, Eisen, Jod, Folsäure... alles schön und gut, aber Taurin?! Für Vorschüler?! Bei uns diskutieren sie, ob man das in Red Bull für Teenager und Erwachsene geben kann und hier sollen das kleine Kinder trinken, damit sie ihr Lernpensum besser schaffen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich damit natürlich als deutsche Mutter so meine geregelten Probleme habe, scheinen die Eltern hier härter zu sein als ich. Einem Kind auch noch Wachmacher geben? Ich wäre so froh, L. würde schlaaaaaaaaafen...... Ich sage ja, andere Länder, andere Sitten.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Wir haben die Wohnung besichtigt!

Obwohl M. Fieber hat und zu Hause geblieben ist, mussten wir vorhin schnell auf den Anruf der Maklerin reagieren und direkt mit ihr zu der Wohnung fahren. Da die Firma aufgrund eines Mißverständnisses das Deposit noch nicht bezahlt hatte, nahm der Vermieter an, wir wären doch nicht so interessiert und wir mussten das Interesse direkt vor Ort bekunden, um ihn ruhig zu stellen.

Jetzt haben wir die Wohnung auch gesehen, sind begeistert und ich richte schon einmal im Geiste ein. Gott sei Dank, haben wir so viele Möbel in München gelassen, denn die Zimmer hier sind wirklich klein geschnitten. Und mir ist vollkommen klar, dass das hier für HK Verhältnisse extremer Luxus ist. Ich bin auch von der Umgebung total beeindruckt, aber das macht die Zimmer nun einmal auch nicht größer...

Dienstag, 26. Februar 2008

Und jetzt sind alle krank

Der bunte Viren-Reigen geht weiter... Nachdem ich die Nacht auf den Montag unerwartet viel Zeit auf der Toilette verbracht hatte, sagte ich die Tour des "German speaking ladies club" durch Kowloon am Montag ab. Ich konnte ja nicht einmal mich in der Wohnung gerade halten, geschweigedenn mit L. auf dem Bauch an einer Stadtführung teilnehmen. Die Dame am Telefon war dann auch sehr verständnisvoll und meinte nur "Mit der Warteliste ist es jetzt wohl aber ein wenig knapp. Wenn ich keinen mehr finde, dann mußt Du das trotzdem zahlen." Ja, das muß ich wohl, kommen kann ich aber trotzdem nicht. Und danke für die gute Besserung... Nicht unbedingt freundlich, aber was soll man machen.

Der Vorteil daran war aber, dass ich M. noch sehen konnte, der genau am Nachmittag hier Zwischenstop machte und seine Koffer umpackte (von Delhi nach Taipeh). Er besorgte unserem Krankenlager dann noch schnell Ritz Cracker und Wasser (hier trinken viele das Leitungswasser nicht, zumindest nicht ungefiltert und da wir da momentan noch keine gute Methode für uns gefunden haben, heißt es also Trinkwasser kaufen. Wie in Spanien vor 20 Jahren.) und flog dann mit schlechtem Gewissen wieder weg. Mir ging es aber an dem Nachmittag auch schon wieder so viel besser, dass ich dachte, es würde kein Problem sein. Abends bestellte ich mir sogar etwas zu essen, um dann nach den ersten Bissen zu bemerken, wie schlecht mir eigentlich war. Ich konnte dann bis um eins nicht ins Bett, weil ich "anderweitig beschäftigt war" und ab halb vier wollte dann L. nicht mehr schlafen. Das war dann zu viel für mich, Kreislauf unten, Kind schläft nicht, selbst total übermüdet - das würde ich nicht alleine bis Mittwoch schaffen. Entgegen meiner sonstigen Einstellung, daß ich das schon irgendwie hinbekommen würde, rief ich nacht M. an und wimmerte ihm vor, daß er bitte nach Hause kommen solle. Er war einigermaßen überfordert, da er ja gerade erst angekommen war und mitten in der Nacht ja auch nicht viel anfangen konnte, aber plante im Laufe des Tages seine Reise um und kam am selben Tag abends noch heim.

Nachmittags erlebte ich noch einen Akt der absoluten Menschenfreundlichkeit. Ich war ganz gerührt. K., die Frau von C. , die uns ja schon so nett ihre Wohnung gezeigt hatten, rief an, sie hätte über ihren Mann erfahren, dass es mir schlecht ginge. Sie ließ dann ihren Sohn bei ihrer Helperin und kam mit Bananen und Bretzeln die halbe Stunde zu uns gefahren, um mit L. zweieinhalb Stunden spazieren zu gehen, damit ich schlafen konnte. Unglaublich....

Diese Erholung war dann auch die Rettung, denn als mein Held in der strahlenden Rüstung aus Taipeh zurückkam, fing es bei ihm an und nun kann ich mich um ihn kümmern... Jetzt sind alle krank zu Hause.

Sonntag, 24. Februar 2008

Wir sind immer noch krank

Donnerstag früh verabschiedete sich M. und flog nach Indien für fünf Tage und L. und ich trafen uns mit anderen Expat-Frauen zu einer geführten Tour durch Aberdeen (wieder von dem YWCA). Da die Mail mit dem Treffpunkt - milde ausgedrückt - recht unklar war, warteten alle 6 Teilnehmer an unterschiedlichen Orten vor dem Ocean Park und es dauerte eine Weile bis wir loskamen. Eine der Teilnehmerinnen kannte ich schon von der "Supermarkt-Tour" und wir unterhielten uns gut während der sehr interessanten Führung durch die Gassen dieser ursprünglichen Fischersiedlung. S. gab mir zum Ende hin ungefragt ihre Kontaktdaten, gerade in dem Moment, in dem ich ihr eine von M.s Karten in die Hand drücken wollte, auf die ich meine Nummer geschrieben hatte. Es ist ein schönes Gefühl, dass man sich nicht aufdrängen muss, sondern dass sie genauso interessiert daran war, hier jemanden kennen zu lernen.

(Kleiner Zwischenkommentar: Auch wenn meine Mutter Grundschullehrerin ist und sich mit der neuen deutschen Rechtschreibung extrem gut auskennt, schreibe ich hier meistens in der alten, für mich der "normalen", Rechtschreibung. Wenn ich "dass" mit "ss" schreibe, dann liegt das eher daran, dass man hier nicht daran gewöhnt ist, ein scharfes s auf der Tastatur zu finden. Generell bin ich aber eher ungewollt kreativ mit der Rechtschreibung - besonders mit den Kommaregeln - und hoffe einfach, dass jeder mich auch so versteht. Bitte schick mir den Text nicht rot korrigiert zurück, Mutter!)

Nach der Tour zeigte eine schon erfahrene Expat-Dame S. und mir einen Supermarkt (Olivander's), der ein Eldorado für uns Langnasen ist. Dort bekommt man nun wirklich ALLES, wenn man bereit ist, dafür zu zahlen. Nachdem ich eine kleine Ziegenkäserolle für 6€ gefunden hatte, die ich M. nie zeigen darf, weil er sonst unser gesamtes Haushaltsgeld in Käse umsetzt, entdeckte ich die Brottheke. Ja, ich weiß schon Deutsche und ihr Brot... Aber ich mußte mir das einfach genauer ansehen und als ich dann etwas dunkles, rundes entdeckte, mit einer Banderole um den Bauch, auf dem ein Bild von einem König war, fiel ich fast rückwärts um. Ein König Ludwig Dunkel mit dem Porträt des Kini! Ich investierte also 6€ (das scheint der Standardpreis zu sein) und erstand ein schweres, dunkles, deutsches Brot. Momentan halte ich es schon noch ohne Brot aus, es war eher eine Investition in die Zukunft. Wenn das Brot gut gewesen wäre, dann hätte man damit ja ab und zu kullinarische Heimwehbekämpfung machen können.... Leider war das Brot nur so naja (so wie bei uns wenn man im Supermarkt ein Brot aus der Tüte kauft) und für das Geld werde ich mir wohl vorerst andere Dinge kaufen.

S. und ich aßen dann noch auf Prince's Square zu Mittag und verabredeten uns für Anfang März, wenn ihr Schwiegereltern wieder weg sind. Das wäre schön.

Freitag und Samstag blieben L. und ich nur im Hotelzimmer und spielten und schliefen. Wir hatten einfach die Symptome getauscht. Er hatte nun Husten und ich Magen-Darm-Grippe. Mir war allerdings nur schlecht, ich kotzte nicht (noch nicht). Obwohl das ja die perfekte Gelegenheit gewesen wäre, mich bei L. zu revanchieren... Aber da er vom Zahnen eh wie ein kleines Schleimmonster mit Spucke bedeckt ist, hätte ihm das wohl nicht einmal was ausgemacht. So lange er bei mir sein kann, auf meinem Arm sitzen, über mich krabbeln, mit seinen Fingern in meinem Mund bohren, testen ob man das Zahnfleisch hochschieben kann, seine spitzen Fingernägel in meinen Hals bohren, sich an mir hochziehen und und im Bett neben mir liegen, ist alles in Ordung in seiner Welt.

Heute packte ich ihn mir wieder auf die Brust und wir fuhren nach einigen Wirrungen des Taxifahrers dann doch zum History Museum. Da es hier wieder kalt geworden ist (kälter als in Deutschland!), wollte ich den Nachmittag mit dem Zwerg im Museum verbringen. Wir kamen um 10 nach 2 an und um halb drei war eine Führung in englisch. Nachdem wir uns ein wenig den Anfang der schön gemachten Ausstellung über die Geschichte von Hong Kong angeschaut hatten, nahmen wir dann an der Führung teil. Die Führerin war Deutschlehrerin in HK und recht erfrischend, was ihren Stil anging. In dem ersten Teil zu der prähistorischen Geschichte, erklärte sie nur, dass es in HK viele verschiedene Steine gab und es sogar Korallen in dem Museum gäbe. Da müsse man sich aber vorher anmelden und das täten wenige, weil so doll wären die eigentlich nicht. Ihr Interesse an Mineralogie hielt sich wohl in Grenzen.

Mein Interesse aber eigentlich auch, deswegen fand ich den zweiten Teil über die ersten Siedler schon spannender ("Look at these pots. They are not from this time, but we had no other place to put them.") und es war umso blöder, dass ich duch diese dumme Magen-Darm-Sache ein kleines Kreislaufproblem bekam und die Tour abbrechen musste. Wir waren um 3 wieder zurück im Hotel und legten uns erst einmal hin. So viel zu unserem Auflug. Da müssen wir wohl noch einmal hin.

20.02.2008 Es wird so langsam

Nachtrag zum Thema Wohnung: Es scheint nun so, als ob wir die Wohnung bekommen könnten! Also, war das wohl doch keine unnötige Information in meinem Text vorher… Der Besitzer akzeptiert anscheinend unser Angebot und HR hat auch schon zugestimmt, weil denen klar ist, dass die Mieten eher steigen als sinken werden und sie das Thema erledigt haben wollen. Jetzt muß die Maklerin uns nur noch sagen, wann wir uns die Wohnung noch einmal ansehen können und dann kann es am 10.3. losgehen. Bisher haben wir nur eine vergleichbare Wohnung 4 Stockwerke drunter und Bilder von dieser Wohnung im Internet gesehen. Aber bevor wir den Mietvertrag unterschrieben, wäre es schon nett, wenn wir sie auch noch einmal in echt sehen könnten.

Heute ist sowieso einer der ersten richtig schönen Tage hier. Ich habe mich so langsam eingelebt. Die letzten Tage waren immer eher durchwachsen, weil mir meine Freunde von zu Hause schon sehr gefehlt haben. Im einen Moment hat man einen funktionierenden Freundeskreis, Mit-Mamas, um sich mal auszukotzen und die Familie in der gleichen Zeitzone, im nächsten Moment sitzt man in einem Service Apartment, redet nur mit dem Baby und den Möbeln, kann nicht günstig raustelefonieren und wartet recht vergeblich darauf, dass mal jemand bei Skype online ist. Aber da es mir langsam besser geht, was auch der Doktor heute Vormittag nach einem Bluttest und Lungenröntgenbild bestätigt hat, kann ich nun auch wieder größere Sprünge mit dem Kleinen auf der Brust machen. Da hier ja alles voller Treppen ist, trage ich ihn momentan so 4 Stunden am Tag mit mir rum. Wer braucht da noch ein Fitnessstudio?

Nach dem Arzttermin waren wir dann heute Mittag auch gleich bei einer Musikschule und haben uns für „Kindermusik“ (so heißt das tatsächlich) angemeldet. Danach wanderten wir durch die Midlevels zum YWCA, um die Mama auch gleich noch für ein paar Stadttouren anzumelden. Auf dem Weg musste ich wieder einmal lernen, wie schwer es hier ist, als Fußgänger von A nach B zu kommen, wenn man sich nicht auskennt. Man kann hier generell schon recht gut laufen, aber eher über riesige Fußgängerüberwege und –unterwege und –querwege. Nie so, wie man sich das vorher naiv mit dem Stadtplan vorgestellt hat. Deswegen dauerte auch der Hinweg 20 min und der Rückweg so ungefähr 7. Aber ich bin ja lernfähig.

Immerhin entdeckten wir auf dem Weg den "Zoological and Botanical Garden" und picknickten dort auf einer Bank. Na ja, wir entdeckten den Park natürlich nicht wirklich, weil der Standort durchaus bekannt ist, wenn man sich auskennt. Aber wir lernen die Stadt ja gerade erst kennen. L. saß neben mir auf der Bank und ließ sich seinen Brei in den Mund löffeln, während er JEDEN Passanten anlachte und auf die Reaktion "What a great smile!" wartete, die auch fast immer kam. Er kann schon süß sein...


18.02.2008 Wir kommen an

Wir sind jetzt schon 2 ½ Wochen in Hong Kong und es wird Zeit für einen ersten Bericht. An unserem Abreisetag ging es nach einer letzten Spielverabredung mit K. zurück, um die letzten Sachen einzupacken. Wir hatten schon viel vorbereitet, aber natürlich wurde es zum Ende noch etwas hektisch, besonders weil wir herausfanden, dass wir mit 109 kg 29 kg über unserem Limit lagen. Wie immer, machte ich mir deswegen Sorgen und M. war optimistisch, dass es kein Problem werden würde. Und wer hatte Recht? Er natürlich. Nachdem wir mit unserem Eco-Ticket einfach direkt zum First-Schalter gegangen waren, bekamen wir nicht nur ein Upgrade für eine Person, sondern erfuhren auch, dass das mit dem Übergepäck üüüberhaupt kein Problem sei. First Class Service ist schon was Tolles….

Ich war also riesig aufgeregt, weil wir nun tatsächlich Business fliegen würden und wollte, dass L. einen guten Eindruck macht, damit uns die ganzen Geschäftsreisenden, die viel Geld für ihr Ticket bezahlt bekommen hatten, nicht direkt rausschmeißen würden. Böse Blicke hätten mir in meinen Zustand eigentlich auch schon gereicht…Nun ja, L. hat ja viele tolle Eigenschaften, aber an dem Tag gehörte dezentes Babyverhalten nicht unbedingt dazu. Nachdem er morgens schon mit 39 Grad Reisefieber wachgeworden war, spuckte er beim Betreten des Flugzeugs erst einmal in die Gangway (gerade, als wir den Stewardessen zulächelten und versuchten, unverdächtig auszusehen). Wir verbrachten also die ersten Minuten an Board damit, mit den Stewardessen L. und uns sauber zu wischen, bevor wir zu unseren Sitzen gebracht wurden. Nun gut, das war schon einmal nicht so toll gelaufen.

Nachdem wir gestartet waren, brachten sie uns das Babybett und L. schlief drei Stunden lang. Wir aßen in Ruhe zu Abend und fingen gerade an zu entspannen und selbst müde zu werden, als er sich entschied, jetzt doch nicht mehr schlafen zu wollen. Er glühte immer noch trotz Paracetamol und schlief von dem Moment an nur noch 30 min am Stück und das auch nur auf meiner Brust. Dazwischen spuckte er M. einmal so komplett ein, dass er sich vollständig umziehen musste. Er sah schick aus so in seinem First Class Schlafanzug von der Purserin und seinem Sakko. Den van Laack Schlafanzug hielt M. erst für ein übermäßig großzügiges Geschenk der Purserin bis wir den Aufnäher „Lufthansa First Class“ entdeckten. Kein Wunder, dass ein First Class Flug so teurer ist. Der Flug zog sich also ein wenig und deswegen freute es uns umso mehr, dass wir nach der Ankunft mit einem Schild am Gate abgeholt wurden und direkt zu unserer neuen Bleibe gefahren wurden.

Abends machten wir uns in Whampoa, einem Vergnügungsviertel um unser Hotel in Hung Hom auf Kowloon, auf die Suche nach einem Restaurant und landeten bei einem Thailänder, in dem sie sich supersüß um L. kümmerten. Wir sollten eh bald die Erfahrung machen, dass wir wegen unseres blonden und blauäugigen Sohnes ständig angesprochen werden. Wie mit einem Popstar durch die Stadt zu laufen…

Am Sonntag wurde ich wach und merkte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Jetzt hatte ich auch 39 Grad Fieber. Wir mussten uns also als erstes auf die Suche nach einem Arzt machen und dank der Hilfe von M. Kollegen C. konnte ich direkt am Montag früh einen Termin für Montag Mittag in Central machen. Sonntag nachmittag fuhren wir noch einmal kurz mit der Fähre rüber nach Wan Chai zu M. neuem Büro und wollten ein wenig bummeln. Ich klappte aber schon bald zusammen und wir brachen unseren Ausflug ab. Was meiner Erholung nicht unbedingt diente, war dass L. extreme Anpassungsschwierigkeiten hatte. Er war unglaublich weinerlich und unausgeglichen und ich durfte mich keinen halben Meter von ihm wegbewegen.

Ein kurzer Exkurs zum Thema Einkaufen: Wie erwartet, gibt es in Hong Kong wirklich alles, was das Herz oder Kind begehrt. Ich habe Nutella, Deutschländerwürstchen, Ehrmann-Yoghurt, Babygläschen in Demeter Qualität und sonst auch wirklich alles gefunden, aber manche Dinge brauchen doch etwas länger. Milch zu finden zum Beispiel. Im Regal gab es x-verschiedene Sorten, aber selbst bei der angeblich „Pure Milk“ (hier ist man ja ein großer Fan davon, Milch noch besser zu machen und zu „tunen“), fand ich eine vierzeilige Auflistung der Zutaten und darunter stand „Contains milk“. Ich hätte ja eigentlich gehofft, dass „Pure Milk“ tatsächlich nur Milch enthält und hoffte, bei meiner „Supermark-Führung“ am Donnerstag mehr zu erfahren.

Um Leute kennenzulernen, hatte ich schon aus Deutschland einen Kurs bei dem YWCA gebucht und wollte mir 2 Stunden lang die Supermarkt-Angebote eines Jusco (japan. Supermarkt) erklären lassen. Aber die Führerin war auch Japanerin und eh kein großer Fan von Milch und meine Mitteilnehmer hatten nur den Vorschlag Milchpulver zu kaufen und mit Wasser zu mischen. Als ich die nette Amerikanerin dann fragte, ob man das denn dann auch zu Milch für den Capuccino aufschäumen könne, bekam ich nur zur Antwort „Oh, I don’t know about that. We are not that fancy in our place.“. Abgesehen davon war Supermarktführung sehr interessant und schon einmal ein guter Start.

Natürlich ist es hier sehr westlich und man kann es nicht mit einem Geschäft in der chinesischen Provinz vergleichen, aber bei manchen Dingen habe ich trotzdem nur ein großes Fragezeichen im Kopf: Wieso finde ich in dem gesamten Supermarkt kein Deo? Ich weiß ja, dass Asiaten weniger schwitzen, aber schwitzen die überhaupt nicht? Bei den vorgepackten Suppengemüse-Packungen, welchen Teil isst man und welcher Teil ist nur für die Brühe? An der warmen Theke: was wurde da frittiert? Fisch, Fleisch, Obst, Schweineknochen? M. hat mir gesagt, dass die Gelenkknorpel von Hühnerbeinen frittiert werden und als kleine Delikatesse gelten … Warum möchte man in einem Cafe beim Supermarkt „Chocolate French Toast“ mit Würstchen essen? Falsch verstandener Western Food? Ich nehme an, wenn wir japanische Teigtaschen mit thailändischer Sauce und chinesischen Stäbchen essen können, dann ist das nur fair. Bestellen werde ich es wohl aber trotzdem nicht.

Also, kurz zurück zu letzter Woche. M. ging drei Tage arbeiten und L. und ich beschäftigten uns soweit es unsere Erkältungen zuließen. Nach dem Arztbesuch am Montag, bei dem die Ärztin feststellte, dass L. auf dem Weg der Besserung war, ich aber kurz vor einer Mandelentzündung stand, hielten wir uns etwas bedeckt, was die Aktivitäten anging. Am Freitag besuchten wir einen Kollegen von M., den, der uns schon so toll mit dem Arzt geholfen hatte, und seine Familie in seiner Wohnung in Pokfulam. Pokfulam liegt im Südwesten von Hong Kong Island und man braucht von dort zwar zwischen 15 und 30 min in die Stadt, aber auch nur 10-20 min zu den Stränden im Süden. Wir wollten uns einmal die Wohnung ansehen, weil wir eventuell so etwas ähnliches über unsere Maklerin suchen wollten.

Der Komplex heißt „Bel Air on the Peak“ und ist etwas abgetrennt von dem normalen Stadtleben, aber die Wohnungen sind toll. Was für uns beide (das ist wohl typisch deutsch) besonders wichtig ist, sind die Bäder und die Küche und die sind dort der absolute Knaller. Aber wir reden trotzdem nur über so 90m² max., also keine riesige Wohnung für 4 Personen (M., L., Domestic Helper und ich). Wir haben danach noch ein paar Wohnungen in dem Komplex angesehen und nun für drei Angebote abgegeben. Blöd ist nur, dass die Mieten im letzten Jahr bis zu 70% gestiegen sind und die HR-Policy und die entsprechende Mietzahlung der Firma dem natürlich nun nicht mehr entsprechen. Das wird also noch lustig… Unsere Möbel kommen aber eh erst um den 10.März an. Wenn wir bis dahin eine Wohnung hätten, wäre aber schon toll.

Kurz noch einmal zu „Bel Air“: Der Komplex liegt direkt am Meer und besteht aus mehreren Hochhausverbänden. Jeder der drei Verbände besteht aus 8-9 Hochhäusern, jedes Hochhaus aus 38-43 Stockwerken mit ungefähr 3 Wohnungen pro Stockwerk. Da wohnen also wahrscheinlich mehr als 8.000 Leute. Leider werden diese Dinger momentan eher für den chinesischen neureichen Geschmack gebaut und der entspricht nicht unbedingt unserem… Es sieht in der Lobby aus, als ob Ludwig der XIV., den Papst und Elisabeth I. zu einer großen Orgie getroffen hätte. Da hängt sogar ein 3m hohes Bild von Sissi! Schon ironisch, wir Langnasen finden den zurückhaltenden „asiatischen“ Stil schick und die dekorieren sich zu Tode in Plüsch und Goldrahmen.

Wenn wir also nun unser Traumapartment bekommen, wisst Ihr schon ein wenig über unsere neue Nachbarschaft. Wenn nicht, dann hakt es aber ab unter „unnützes Wissen, mit dem ich vielleicht doch noch irgendwann einmal angeben kann….“.

Da unser Hotel ja am Hafen liegt, konnten wir am Freitag der chinesischen Neujahrsfeier mit Mi. und A. (M. anderer Kollege, den wir schon aus München kennen) und C. und Familie vom Dach unseres Hotels das Feuerwerk auf der Insel anschauen. L. trug den „chinesischen Prinzen“ Anzug von seiner Tante aus Shanghai und wurde natürlich entsprechend bewundert. Am Sonntag waren wir dann mit Mi. und A. frühstücken im Cafe Deco auf dem Peak. Eine schöne Aussicht hatte man allerdings nicht, da es hier eigentlich seit Wochen diesig ist.

Zu L.: er hat sich mittlerweile besser angepasst, ist aber immer noch schräg drauf,. Es kann aber auch einfach ein weiterer Schub sein. Er hat seit ein paar Tagen den zweiten Zahn (oben den zweiten Schneidezahn links – nicht so ganz normal) und es kommen mindestens 2 weitere, die ihm weh tun. Außerdem hat er seit 2 Tagen Brechdurchfall. Das ist besonders nett in einer Wohnung, in der man keine eigene Waschmaschine hat. Ich habe seine Sachen erst einmal ausgewaschen, bevor ich sie dann in die Hotelwäsche geben konnte und damit das Bad und die Küche recht intensiv „beduftet“. Wir nennen ihn jetzt den Prinz von Kacka-Kotzi-Land…

Besonders nett war, dass er mich an dem ersten Tag in 2 Wochen, an dem ich mich mal wie ein normaler Mensch und nicht wie eine Mama (wird ja eh dreckig…) angezogen hatte, auf dem Weg zur Immigration Office komplett angekotzt hat. Ich hatte ihn auf den Bauch gebunden in unserem neuen Baby-Carrier und er kotzte wie ein Springbrunnen. Wir saßen danach eine Stunden in der Immigration Office vor drei verschiedenen Angestellten, die sich alle wohl ziemlich gut überlegt haben müssen, ob sie so jemandem wie uns eine Hong Kong ID geben wollen.