Donnerstag früh verabschiedete sich M. und flog nach Indien für fünf Tage und L. und ich trafen uns mit anderen Expat-Frauen zu einer geführten Tour durch Aberdeen (wieder von dem YWCA). Da die Mail mit dem Treffpunkt - milde ausgedrückt - recht unklar war, warteten alle 6 Teilnehmer an unterschiedlichen Orten vor dem Ocean Park und es dauerte eine Weile bis wir loskamen. Eine der Teilnehmerinnen kannte ich schon von der "Supermarkt-Tour" und wir unterhielten uns gut während der sehr interessanten Führung durch die Gassen dieser ursprünglichen Fischersiedlung. S. gab mir zum Ende hin ungefragt ihre Kontaktdaten, gerade in dem Moment, in dem ich ihr eine von M.s Karten in die Hand drücken wollte, auf die ich meine Nummer geschrieben hatte. Es ist ein schönes Gefühl, dass man sich nicht aufdrängen muss, sondern dass sie genauso interessiert daran war, hier jemanden kennen zu lernen.
(Kleiner Zwischenkommentar: Auch wenn meine Mutter Grundschullehrerin ist und sich mit der neuen deutschen Rechtschreibung extrem gut auskennt, schreibe ich hier meistens in der alten, für mich der "normalen", Rechtschreibung. Wenn ich "dass" mit "ss" schreibe, dann liegt das eher daran, dass man hier nicht daran gewöhnt ist, ein scharfes s auf der Tastatur zu finden. Generell bin ich aber eher ungewollt kreativ mit der Rechtschreibung - besonders mit den Kommaregeln - und hoffe einfach, dass jeder mich auch so versteht. Bitte schick mir den Text nicht rot korrigiert zurück, Mutter!)
Nach der Tour zeigte eine schon erfahrene Expat-Dame S. und mir einen Supermarkt (Olivander's), der ein Eldorado für uns Langnasen ist. Dort bekommt man nun wirklich ALLES, wenn man bereit ist, dafür zu zahlen. Nachdem ich eine kleine Ziegenkäserolle für 6€ gefunden hatte, die ich M. nie zeigen darf, weil er sonst unser gesamtes Haushaltsgeld in Käse umsetzt, entdeckte ich die Brottheke. Ja, ich weiß schon Deutsche und ihr Brot... Aber ich mußte mir das einfach genauer ansehen und als ich dann etwas dunkles, rundes entdeckte, mit einer Banderole um den Bauch, auf dem ein Bild von einem König war, fiel ich fast rückwärts um. Ein König Ludwig Dunkel mit dem Porträt des Kini! Ich investierte also 6€ (das scheint der Standardpreis zu sein) und erstand ein schweres, dunkles, deutsches Brot. Momentan halte ich es schon noch ohne Brot aus, es war eher eine Investition in die Zukunft. Wenn das Brot gut gewesen wäre, dann hätte man damit ja ab und zu kullinarische Heimwehbekämpfung machen können.... Leider war das Brot nur so naja (so wie bei uns wenn man im Supermarkt ein Brot aus der Tüte kauft) und für das Geld werde ich mir wohl vorerst andere Dinge kaufen.
S. und ich aßen dann noch auf Prince's Square zu Mittag und verabredeten uns für Anfang März, wenn ihr Schwiegereltern wieder weg sind. Das wäre schön.
Freitag und Samstag blieben L. und ich nur im Hotelzimmer und spielten und schliefen. Wir hatten einfach die Symptome getauscht. Er hatte nun Husten und ich Magen-Darm-Grippe. Mir war allerdings nur schlecht, ich kotzte nicht (noch nicht). Obwohl das ja die perfekte Gelegenheit gewesen wäre, mich bei L. zu revanchieren... Aber da er vom Zahnen eh wie ein kleines Schleimmonster mit Spucke bedeckt ist, hätte ihm das wohl nicht einmal was ausgemacht. So lange er bei mir sein kann, auf meinem Arm sitzen, über mich krabbeln, mit seinen Fingern in meinem Mund bohren, testen ob man das Zahnfleisch hochschieben kann, seine spitzen Fingernägel in meinen Hals bohren, sich an mir hochziehen und und im Bett neben mir liegen, ist alles in Ordung in seiner Welt.
Heute packte ich ihn mir wieder auf die Brust und wir fuhren nach einigen Wirrungen des Taxifahrers dann doch zum History Museum. Da es hier wieder kalt geworden ist (kälter als in Deutschland!), wollte ich den Nachmittag mit dem Zwerg im Museum verbringen. Wir kamen um 10 nach 2 an und um halb drei war eine Führung in englisch. Nachdem wir uns ein wenig den Anfang der schön gemachten Ausstellung über die Geschichte von Hong Kong angeschaut hatten, nahmen wir dann an der Führung teil. Die Führerin war Deutschlehrerin in HK und recht erfrischend, was ihren Stil anging. In dem ersten Teil zu der prähistorischen Geschichte, erklärte sie nur, dass es in HK viele verschiedene Steine gab und es sogar Korallen in dem Museum gäbe. Da müsse man sich aber vorher anmelden und das täten wenige, weil so doll wären die eigentlich nicht. Ihr Interesse an Mineralogie hielt sich wohl in Grenzen.
Mein Interesse aber eigentlich auch, deswegen fand ich den zweiten Teil über die ersten Siedler schon spannender ("Look at these pots. They are not from this time, but we had no other place to put them.") und es war umso blöder, dass ich duch diese dumme Magen-Darm-Sache ein kleines Kreislaufproblem bekam und die Tour abbrechen musste. Wir waren um 3 wieder zurück im Hotel und legten uns erst einmal hin. So viel zu unserem Auflug. Da müssen wir wohl noch einmal hin.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen