Dienstag, 29. April 2008

Alltaegliches


Auf besonderen Wunsch meines Vaters erzaehle ich Euch hier nun mal, wie wir denn so Alltaegliches hier meistern. Nein, wir koennen nicht mit den Auto zum Aldi fahren und das mit den Sprudelkaesten geht auch nicht so einfach. 

Wie kaufen wir denn nun ohne Auto mit Kind unsere Nahrungsmittel etc.? Wir haben drei Moeglichkeiten: Entweder wir laufen zum naechsten Supermarkt (15 min), kaufen dort wenig ein und laufen zurueck. Oder wir (wir bedeutet in dem Fall immer der Zwerg und ich) kaufen mehr als wir tragen koennen (da man hier das Leitungswasser nicht trinkt, brauchen wir viel Wasser und das ist schweeeeer), dann koennen wir entweder ein Taxi heim nehmen (ungefaehr 2 Euro) oder wir lassen liefern. Da ist ab einem Einkaufswert von 50 Euro kostenlos oder kostet auch 2 Euro. Oder als letzte Moeglichkeit, wir bestellen im Internet bei dem Supermarkt und die liefern dann am nachsten Tag. Das kommt aber dann nie wenn man es braucht und die Tiefkuehlkost ist auch schon ziemlich angetaut. Das ist eher gut fuer die Wasserflaschen und schweres Zeug. Es geht also alles auch, ist nur anders.

Unseren Muell stellen wir vor die zweite Tuer zu unserer Wohnung, die zum Serviceflur hin geht und dort wird alles 2 mal pro Tag abgeholt. Man muss sich also nicht streiten, wer nun gerade den Muell runterbringen muss. Das ist Luxus pur. Man kann allerdings nicht richtig trennen und es gibt auch keinen Wertstoffhof. Wenn man also groessere Dinge entsorgen will, dann muss man eigentlich einen Abholservice engagieren und sie sind teuer. Ich werde mich jetzt mal dumm stellen und unseren Schuhschrank mal rausstellen. Vielleicht nimmt den jemand mit. 

Dann haben wir noch wie in Deutschland je einen Vertrag mit der Strom- und Wasserversorgung, der Telefongesellschaft, dem Kabelsender und was man sonst noch so braucht. da das alles auch in Englisch machbar ist, ist das hier gar kein Problem. 

Ausserdem mussten wir dem Club in unserem Haus beitreten, damit wir dort alles nutzen koennen. Wenn wir nun dort eine Massage buchen moechten oder zum Friseur gehen, wird das von einem Punktekonto abgebucht. So aehnlich wie im Robinson Club mit den Perlen. 

Mehr faellt mir momentan nicht ein, aber wenn Ihr Fragen habt, dann beantworte ich die gerne. 

Mittwoch, 23. April 2008

Was man aus Papier so alles machen kann


Eben habe ich in der Zeitung etwas ueber eine Messe in Macao gelesen, bei der der letzte Schrei der Papiermodelle vorgestellt wird, die Chinese und Asiaten aus anderen Laendern ihren Ahnen opfern, damit sie in gutes "Leben" nach dem Tod haben. Nach dem traditionellen Glauben der Chinesen liegt es an den noch Lebenden, dafuer zu sorgen, dass es den Verstorbenen im Totenreich gut geht. Man erhofft sich davon aber auch ein wenig, dass diese dann ihr Glueck mit einem teilen und einem ihren Segen zuteil werden lassen. Da man nichts mit ins Totenreich mitnehmen kann, liegt der Trick darin, dass einem die Verwandten alles was man so braucht als Papiermodell opfern und verbrennen. 

Frueher wurde dann massenweise "Hell Money" verbrannt (die Chinese sind wohl nicht zu optimistisch dahingehend, wo ihre Verwandten landen), damit man sich auf der anderen Seite so alles kaufen kann, was man will. Ausserdem gerne einen Fernseher (ein gut nachgemachtes Roehrengeraet aus Papier), ein Telefon, ein frisches Hemd mit Krawatte (man will ja ordentlich aussehen) und eine goldene Rolex (Status ist alles). Damit man nicht ploetzlich anfangen muss, selbst zu waschen oder so (das eine Hemd das man hat), bekommen viele noch eine Papiermaid und wenn man gerade dabei ist gerne auch noch eine Villa und einen Mercedes. 

Heutzutage hat sich das Bild ein wenig gewandelt. Nun brauchen die Verstorbenen nach Meinung ihrer Verwandten dringend: eine Kreditkarte (ist auch besser fuer die Umwelt, anstatt stapelweise Hell Money zu verbrennen), einen Flachbildfernseher, einen Laptop, einen i-Pod, ein i-Phone (das wurde gerade auf diese Papieropfer-Messe vorgestellt!) usw.

Da kann man sich nur wuenschen, dass die Verstorbenen, die hoffentlich alle lange gelebt haben, auch mit den Sachen umgehen koennen. Ich stelle mir das recht lustig vor. Ein 95-jaehriger Geist sitzt schimpfend auf einer Wolke (Luja sog' I) und bekommt das I-Phone nicht zum laufen. Vielleicht opfern die deswegen bald nicht nur Maids sondern auch Computerexperten aus Papier. Die koennten sich dann nach dem Job vielleicht mit der Papier-Konkubine vergnuegen, deren Mann ja nun keine Zeit mehr hat, weil er endlich in Internet surfen kann. 

Es geht bergauf....


Also erst einmal vielen Dank an alle, die mir so liebe Mails geschrieben haben, nach meinem letzten Post. Mir geht es schon wieder viel besser, keine Sorge. Es war einfach nur einer dieser Tage... Generell ist es aber erstaunlich, wie Frauen sich alleine und gegenseitig das Leben schwer machen koennen. Selbst meine Freundin K. aus Grolsheim ist nicht immer zufrieden mit sich und mehr kann eine einzige Person nun wirklich nicht machen. Aber wir denken eben immer, es gibt noch jemanden, der parallel zu Kindern, gluecklichen Ehemann, Haushalt, interessanten Hobbies, etc. auch noch ein eigenes Dax-Unternehmen aufgebaut hat und den Nobelpreis gewonnen. Ich werde jetzt versuchen, auf einfachere Dinge stolz zu sein. Ich halte Euch auf dem Laufenden, wie das so klappt...

M. kam ja letzte Woche Montag wieder zurueck, aber aufgrund diverser Geschaeftstermine incl. Abendessen sah ich ihn bis Freitag Abend nur ungefaehr 4 Stunden. Dafuer waren wir dann aber am Samstag Abend weg - mit L. Das ging gut, weil wir nur drei Haeuser weiter waren und L. dort schlafen legen konnten, waehrend wir die Rotweinflaschen aus dem Lager von St. und J. platt machten. St. konnte nicht wirklich trinken, da sie im 5.Monat schwanger ist, aber wir strengten uns dafuer umso mehr an und hatten viel Spass. Um uns herum tobte der erste Typhoon der Saison und blies die Moebel auf dem Balkon hin und her. 

Dass L. auch am Sonntag wieder um 5:40 wach wurde, war nicht so gluecklich, aber wir kommen ja mittlerweile mit 4 Stunde Schlaf aus. Falls einer eine richtig gute Augencreme weiss, bitte melden. Ich sehe schon aus wie ein Pandabaer. 

Naechste Woche kann ich Euch hoffentlich verkuenden, dass wir nun eine Maid haben. Wir haben naemlich nach recht viel Aerger den Vertrag "unserer" Maid aufgekuendigt, die in den Philippinen nicht wirklich etwas dafuer getan hat, endlich das Visum fuer uns zu bekommen. Nach 5 Wochen warten, schaue ich mir nun gerade neue Kandidaten an, die direkt anfangen koennten. Sobald ich dann etwas mehr Zeit habe, werde ich auch wieder mehr Aktuelles berichten. Was hier zum Beispiel in der Zeitung ueber den Fackellauf und die Olympischen Spiele steht, ist schon ein wenig anders als das, was der Spiegel berichtet. Ich moechte jetzt nicht sagen, dass ich fuer oder gegen China bin in diesem Fall, aber es ist doch selten, dass irgendein Land nur gut oder nur boese ist. Und China wird momentan schon eher so dargestellt, als ob es die Verkoerperung des Boesen sei. 


Dienstag, 15. April 2008

Wer oder was bin ich?


Identitaetskrise. Wer oder was bin ich? Mama? Ehefrau? Personalerin in Mutterschutz? Expat-Frau? Tochter, Schwester, Schwiegertochter? Putzfrau?  Was sind meine Ziele und Plaene? Wann hatte ich einen erfolgreichen Tag? Wann bin ich stolz auf mich? Wann habe ich ein Recht auf Feierabend?

Nachdem M. nun zwei Wochen nicht da war und ich 100% Mama war ohne die Gelegenheit wenigstens einmal zu sagen "Ich muss mal kurz auf Toilette. Kannst Du aufpassen?", sieht es nun teilweise anders aus (auch wenn er diese Woche keinen Abend hier ist). Ich war immer da und beschaeftigt und die Frage stellte sich gar nicht was oder wer ich bin. Ich war einfach nur die Mama. 

In Deutschland war es eigentlich auch keine Frage, da der Zwerg noch zu klein war und eigentlich kein anderer und auch nicht ich selbst erwartet haette, wieder arbeiten zu gehen oder etwas an meiner Rolle der Mama zu aendern. Aber nun fangen alle meine Freundinnen in aehnlichen Situationen in Deutschland wieder langsam an, zu arbeiten (siehe das Krippenthema) und ich werde wohl keinen sinnvollen Job haben in den naechsten Jahren. 

Bisher habe ich das ganz gut verdraengt, aber heute hat St. aus Muenchen drei Stunden auf L. aufgepasst und ich bin einmal alleine in die Stadt. Es dauerte keine zehn Minuten bis ich gruebelnd im Taxi sass. Ohne L. auf dem Bauch war ich ploetzlich so schutzlos und eben nicht mehr nur die Mama. Dabei fiel mir auf, dass ich momentan keine sinnvolle andere Rolle fuer mich gefunden habe. Ich bin jemand, der gerne gelobt wird und gerne stolz auf sich selbst ist, ich weiss gerne etwas und habe bisher immer gerne auf die Frage geantwortet, was ich denn mache. Als man mich in dem Comedy Club am Samstag fragte (das ist eine andere Geschichte), antwortete ich "I'm just a Mum." Mir ist durchaus klar, dass die anderen Gaeste, die unter anderem in irgendwelchen Nachhilfeschulen Chinesen Englisch beibringen, auch nicht "besser" sind als ich, aber ich habe mich noch nicht daran gewoehnt, dass ich jetzt die aus der Werbung bin, die in diesem Fall sagt "Ich manage ein kleines Familienunternehmen." In meinem Fall ist das ja auch ein sehr kleines Unternehmen, mit einem CEO, der nie da ist und einem Presidenten, der noch keinen Meter hoch ist und kein Jahr alt....

Noch kann ich wenigstens mit ein wenig Stolz sagen, dass ich den Laden noch alleine schmeisse, aber wenn wir mal eine Maid haben, welche Rolle habe ich dann ? Gut aussehen und meinem Mann den Ruecken frei halten? Muss ich dann immer nett zu ihm sein, weil er schliesslich das Geld nach Hause bringt und ich mir davon ein nettes Leben mache? Abends die Hausschuhe bringen und ihm dann den Nacken massieren? Schwierig.....

Die Mamas hier sagen, dass das Leben hier trotz Maid stressig und anstrengend ist und haben wohl ihre Rollen irgendwie gefunden. Aber noch habe ich eher Hochachtung fuer so jemanden wie meine Freundin K. aus Grolsheim, die drei Kinder hat, ein Haus zu pflegen, ihr eigenes Gemuese anbaut, abends bei ihrem Mann in der Firma im Buero aushilft und nebenbei noch Mutter-und-Kind Turnkurse gibt. Aber wahrscheinlich hat sie wieder andere Gruende, an sich selbst zu zweifeln. Machen wir ein Tauschgeschaeft? Ich bin stolz auf Dich und Du dafuer ein wenig auf mich?

Fuer die Mamis


Da unser Kleiner bald ein Jahr alt wird, beschaeftige ich mich gerade mit dem Thema Kindergarten / -krippe, das hier komplett anders laeuft als in Deutschland. Meine Freundinnen dort, die aehnlich alte Zwerge haben, sind gerade mitten in dem Krippenthema gefangen - oder waren es zumindest einen grossen Teil des letzten Jahres, sofern sie jetzt schon einen Platz haben. Bei verschiedenen Krippen zu jeweils bestimmten Terminen persoenlich vorsprechen, dann immer wieder zu auch genau bestimmten Terminen das Interesse bestaetigen, um dann teilweise gesagt zu bekommen, dass man frueher, spaeter oder ueberhaupt nicht haette anrufen sollen, weil die Plaetze jetzt oder schon vor Monaten alle belegt seien oder waren. Und das alles macht man fuer Krippen, die man sivh nicht nach Erziehungsstil oder Lage aussuchen kann, weil man froh sein muss, ueberhaupt etwas zu bekommen, wenn man nicht gerade eine gelaehmte, arbeitslose, alleinerziehende Mutter ist und als sozialer Haertefall gilt. Aber wenn man dann einen Platz hat, dann ist das Kind dort beschaeftigt und hoffentlich gut aufgehoben, waehrend man selbst wieder arbeiten kann oder sonst etwas tun, das einen geistig fit haelt.

Hier laeuft das anders ab. Ich habe die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Institutionen, die sich alle gegenseitig  ueberbieten, wie paedagogisch wertvoll sie doch seien. Auf diesem Einstiegslevel der Ausbildung sind die Schulen auch noch nicht voll (spaeter wird es dafuer richtig schwierig) und ich kann mich bei allen Schulen einfach mit meinem Wunschtermin anmelden. Aber dann ist es eben nicht so, dass man in dieser Zeit dann etwas anderes machen kann, sondern die zwei mal eine Stunde pro Woche, die die eine Schule zum Beispiel maximal fuer dieses Alter anbietet, muss man das Kind komplett begleiten und mitsingen, -huepfen, -tanzen, -basteln... Gibt es hier keine arbeitende Muetter? Ja, aber die haben dann alle eine Maid und wenn man zwei Kinder hat, dass braucht man in so einem Fall eben zwei Maids....

Da ich nicht arbeite, koennte man natuerlich fragen, warum L. dann ueberhaupt mit nur einem Jahr irgendwo hin soll. Aber da hier fast alle etwas mit ihren Kindern machen und HK bei den Pisa Studien immer Top 3 ist, kann es ja nicht komplett falsch sein. Ausserdem gefaellt es L. unglaublich, mit anderen Kindern zusammen zu sein und die Mama wird den ganzen Tag lang auch irgendwann langweilig.

Sehr wahrscheinlich wird er ab Juli (wenn wir wieder aus Deutschland zurueck sind) drei mal die Woche fuer zwei Stunden zu den Baby Buddies in Sheung Wan gehen . Die gefallen mir bisher am besten, weil es dort etwas entspannter zugeht. Sie versuchen nicht, wie die anderen, alles in eine Stunde zu quetschen. Ansonsten lauft naemlich immer laute Musik im Hintergrund und dann heisst es 10 min frei Spielen, 10 min Lieder singen, 10 min mit einem Ball spielen, 10 min basteln, ... Wie man sich so konzentrieren lernen soll, ist mir schleierhaft. Danach sind auf jeden Fall alle fix und fertig, Mutter und Kind.

Dienstag, 8. April 2008

Der deutsche Humor auf Reisen


Wir haben seit heute wieder die Zeitung abonniert, die "South China Morning Post". Sie soll seit der Rueckgabe Hong Kongs an China zwar immer mehr in Richtung der politischen Vorgaben aus Peking tendieren, ist aber fuer mich immer noch kritisch genug, dass ich mir meine Infos rausziehen kann. Ausserdem finde ich es sehr interessant, das dann mit meinen Informationen von Spiegel online oder sonstigem zu vergleichen. Was aber direkt heute in dem City Life stand, benoetigte keine Interpretation, um skurril zu sein. 

Wenn Sie lachen, ist es Oschmann - "Laugh your heart out, it's Oschmann" hits the InterContinental Grand Stanford tomorrow evening. Oschmann, who apparently lost his first name when laughing too much one day, does skits and stage humour that translate well for an international audience. (...)

Jetzt sind wir doch schon sooo weit weg und dann sowas! Er war ja schon in Deutschland nicht unbedingt immer so mein Fall, aber wie das hier in Hong Kong laufen soll, haette mich dann doch interessiert. Wenn M. da waere und wir schon jemanden fuer L. haetten, haette man sich das einfach aus interkulturellem Interesse anschauen muessen. Wie die wohl auf die Idee gekommen sind, den ausgerechnet nach Hong Kong zu schicken? Hat der denn Malle etc. schon komplett durch? Ich komme mir auf jeden Fall so vor wie in unseren Flitterwochen, als uns auf unserer Tour durch Asien die Scorpions vor- oder hinterhergefahren sind und immer dort auftauchten  wo wir auch waren. Wir durften also mit jeden Taxifahrer nicht nur deutschen Fussball, sondern auch die Musik der Scorpions besprechen - zwei Dinge, von denen wir absolut keine Ahnung haben. 

Heute frueh, nach der Lektuere der Zeitung, habe ich mir den Kleinen geschnappt und wir sind nach ein paar Wirrungen (ich bin irgendwie gehirntot in den falschen Bus gestiegen) nach Central gefahren.  L. hat seine zweite Grippeschitzimpfung bekommen und dabei haben sie ihn auch mal wieder gemessen und gewogen. Er ist in den zweieinhalb Monaten hier ganze 5 cm gewachsen, hat aber nur 400g zugenommen. Laut Tabelle gehoert er nun also definitiv zu den "Leichten" und das, obwohl er den ganzen Tag isst und schon noch ein klein wenig speckig aussieht. Wahrscheinlich kommt er nach seinem Vater, der immer erst einmal das Teuerste der Karte bestellt hat und davon am Liebsten 2 Teller, bevor er die gesamten Reste seiner fuenfkoepfigen Familie weggeputzt hat. Urlaube koennen wir uns wohl fuer die naechsten Jahre abschminken - das wird wohl fuer Essen draufgehen. 

Ein weiterer Punkt, bei dem er nach seinem Vater kommt: er hat nun nicht nur entdeckt, dass ER ein primaeres Geschlechtsmerkmal hat, nein, ICH habe ja auch welche! Er jauchzt nun immer begeistert, wenn ich mich zum Duschen ausziehe und er die Dinger entdeckt, die ihn 6 Monate lang gefuettert haben (das war eindeutig billiger...) und dann faengt er an zu kichern. Ich habe ihm nun schon oefter erklaert, dass "Jauchzen" prinzipiell fuer das Selbstbewusstsein einer Frau wirklich nicht schlecht ist, aber wenn er das spaeter mal machen moechte (und dann bitte nicht bei mir!), dann muss er noch an seiner weiteren Taktik arbeiten. Kichern, ist da nun wirklich nicht angebracht.... also sowas!

Gestern habe ich ihn doch zum ersten Mal seit wir hier sind, bei einer befreundeten Maid gelassen und bin mit Katharina zum Mandarin. Ich war viereinhalb Stunden weg (dre groesste Teil davon waren die Busfahrten) und habe ihn anscheinend mehr vermisst, als er mich. Als ich zurueckkam, um meinen verlorenen Sohn in die Arme zu schliessen, war er auf dem Spielplatz erst einmal zu beschaeftigt. Ja, ich bin mir darueber im Klaren, dass das bekloppt klingt. Aber ich fand es ganz schoen hart, ihn an jemanden zu uebergeben. Da ich hier ja oft eine "One-Woman-Show" bin, sind wir nun einmal 24 Stunden am Tag zusammen und ich muss jetzt erst langsam mal wieder anfangen, auch mal alleine etwas fuer mich zu tun.   

Mit ihm klappen naemlich viele Dinge nicht so gut: Klamotten einkaufen zum Beipiel. Ich gehe eigentlich nie einkaufen, wenn ich ihn dabei habe und da ich ihn immer dabei habe, gehe ich dann wirklich eigentlich nie einkaufen. Heute habe ich es zum ersten Mal versucht und war bei Esprit. Waehrend ich ein Oberteil anprobierte, krabbelte er durch den 15 cm hohen Spalt unter der Tuer der Umkleide durch und fing draussen sofort an zu heulen, weil ich nicht mehr da war. kein Wunder, ich hing ja gerade drinnen in einem T-Shirt fest und musste ihn dann schnell aus den Armen der Verkaeuferin retten.  Bei H&M habe ich danach dann beschlossen, die Sachen zu Hause anzuprobieren und, wenn notwendig, zurueck zu geben. Sie passen aber alle, das System hat sich bewaehrt und nun kann ich mit meiner neuen Kreditkarte so richtig loslegen...:-)

So, wir gehen jetzt Essen besorgen und gruessen unseren dienstreisenden Familienvater, den wir seit Tagen nicht erreichen konnten und der eventuell heute anrief, waehrend ein frisch geimpfter, verschwitzter Kerl auf seiner Mutter einen Mittagsschlaf hielt. 

Samstag, 5. April 2008

Fuer die Grosseltern


M. ist in Deutschland bei seinen Eltern und sie halten dort ein Kaffee trinken zu Ehren von unserem Sohn ab. Fast alle Grosseltern sind da und sie wollen sich gemeinsam die letzten Bilder und Videos von unserem Kleinen ansehen. Ja, ja, wir haben schon verstanden, wer hier nun wichtig ist....

Deswegen kommt hier nun ein kleines Update zu unserem Zwerg. Er entwickelt sich gerade rasend schnell und "macht uns viel Freude". Gestern habe ich mich kaputt gelacht, waehrend ich ihn wickelte. Ich versuche ihm gerade beizubringen, dass er auf die Frage "Wo ist Dein Fuss?" auf seinen Fuss zeigt. Das hat auch schon zweimal geklappt und ich weigere mich anzunehmen, dass das Zufall gewesen sein koennte ;-) 

Gestern schaute er auch kurz auf seinen Fuss, wurde dann aber komplett abgelenkt, weil er unter seinem kleinen dicken Bauch etwas viel Spannenderes gefunden hatte. Schau mal, Mama, was ich da hab! Er hatte seinen Pillermann gefunden! Er zog daran und kicherte, so als ob ihm das Ding vorher noch gar nicht so aufgefallen waere. Danach liess er los und man sah, dass er nachdachte (wahrscheinlich hat er sich ausgemalt, was er die naechsten Jahrzehnte seines Lebens damit anfangen wird) und dann schielte er wieder ganz langsam um seinen Bauch rum, um zu sehen, ob das Wuermchen denn immer noch da war. Als er es dann dort immer noch fand, quietschte er vor Freude. Das wiederholte er ein paar Mal fuer seine kichernden Mutter, die schon sehr gespannt ist, wie es zu diesem Thema noch weitergehen wird.

Ausserdem wird er langsam frech und wenn er nun irgendwo herumkrabbelt und ich ihm sage, dass er etwas nicht machen soll, dann reagiert er auf das "Nein" nicht etwas damit, dass er stehenbleibt oder aufhoert, nein, er krabbelt einfach noch schneller, weil er weiss, dass ich ihn nun einfangen werde. Er kann zwar noch nicht laufen, aber ich bekomme auch jetzt schon ziemlich viel Bewegung durch ihn.

Er hat Musik und Krach fuer sich entdeckt. Wenn ich ihm seine Kindermusik anmache, steht er vor dem CD Player und haelt sich mit einer Hand an der Fernsehbank fest. Die andere ist in der Luft und dann wird dazu gewippt. Richtig cool... Dazu hat er bemerkt, dass er die CD springen lassen kann, wenn er nur fest genug auf die Fernsehbank haut. Ein Riesenspass.           Seit dem Umzug hat unser Couchtisch ein kuerzeres Bein und der Tisch wackelt. L. hat nun herausgefunden, dass er auf den Tisch krabbeln kann und wenn er immer hin und her wackelt, dann klackert der Tisch. Dazu dann ein dickes Grinsen auf den Gesicht und das Kind ist gluecklich.

So, jetzt gehe ich in Bett, weil wir morgen wohl wieder um halb sechs aufstehen werden. So ein aktiver Tag will frueh begonnen werden, denkt sich mein Kleiner und ich muss da mitmachen. Gute Nacht an alle und schlaft schoen!


Freitag, 4. April 2008

Alles aendert sich und bleibt doch wie es ist

Jetzt sitze ich hier tausende Kilometer von zu Hause entfernt und muss doch immer an diesen Sketch denken, in dem der Chemnitzer bei der Bahn-Hotline anruft und dem Automaten erklaeren muss, wohin er gerne ein Ticket kaufen moechte. Ich moechte doch am Samstag unbedingt mit S. in diesen Comedy Club und versuche nun schon seit einer halben Stunde dafuer ein Ticket zu erwerben, waehrend L. die Bude auseinander nimmt. Was so ein kleiner Kerl fuer ein Durcheinander anrichten kann...

Zuerst habe ich es online versucht und einen Account eingerichtet. Die haben mir dann natuerlich eine Bestaetigunsmail geschickt und wollten noch mehr Informationen, damit sie meine Anmeldung beenden koennen und ich endlich das Ticket kaufen kann. Da das Formular aber dann leider keine Daten angenommen hat, egal was ich auch versucht habe, probierte ich es als naechstes per Telefon. Der Automat war auch sehr freundlich und sprach mich in drei Sprachen an, wollte mir aber auch beim dritten Versuch kein Ticket reservieren, da er ganz zum Schluss immer entschied, dass er dafuer dann eigentlich doch zu beschaeftigt sei. Dass ich ueberhaupt bis zum Schluss gekommen bin, verdanke ich nur das Tatsache, dass sie Tastenerkennung und keine Stimmerkennung haben. Dann waere der Automat sicher sehr verwirrt gewesen durch mein staendiges "Nein!", "L. komm da runter!", "Das ist nicht zum Essen!". Ja, und deswegen musste ich an den armen Chemnitzer denken und konnte sehr mitfuehlen. Mein Ticket habe ich aber immer noch nicht. "L. nein, fass das nicht an!"

Sturmfreie Bude

Jetzt hat es schon wieder eine ganze Weile gedauert, bis ich zum Schreiben kam, aber der Zwerg und ich waren recht beschaeftigt. M. ist seit Montag fuer zwei Wochen in Deutschland und wir machen jetzt alleine Hong Kong unsicher. 

Bevor er flog konnten wir zum ersten mal so richtig ausnutzen, dass der MBA nun vorbei ist und der Umzug auch so langsam hinter uns liegt. Wir gingen wandern! Man kann auf der kleinen Hong Kong Island naemlich trotz der vielen Hochhauser und der paar Millionen Menschen, die hier wohnen, tatsaechlich auch toll wandern! Wir fuhren mit einem anderen Paerchen und deren 6 Wochen und 2 Jahre alten Kindern zum Country Park und wanderten dort 3 Stunden lang am Wasserreservoir entlang Richtung Meer. Das letzte Stueck fuhren wir dann mit dem Taxi nach Stanley und assen dann dort am Strand zu Mittag. Dank der Kinder und ihren eingebauten Weckern (jeden Tag um 6), waren wir mit allen um 14 Uhr fertig und schon wieder zu Hause. Das gab uns noch Zeit zum Packen und danach noch mit L. hier im Hallenbad schwimmen zu gehen. Was fuer ein Luxus.....:-)   

L. hat einen Schwimmreifen, in den man ihn so anschnallen kann, dass er hinten selbst paddeln kann und vorne mit den Armen im Wasser ist. Er quiekte vor Vergnuegen und schwamm ganz alleine immer zwischen uns hin und her. Er war so selbstaendig, dass man sich richtig konzentrieren musste, nicht zu vergessen, dass er ja eigentlich gar nicht schwimmen kann. Aber danach schlief er natuerlich wie ein Stein und deswegen waren wir zwei diese Woche auch gleich noch zwei mal schwimmen zur strategisch guenstigen Zeit um 17:00. Das letzte mal hat er mich aber ausgetrickst und legte sich nur ganz entspannt mit den Armen auf seinen Reifen (wie eine alte Frau, die die Arme auf einem Kissen auf der Fensterbank abstuetzt) und liess ich treiben. Ich hatte vielleicht nicht mit ihm in den Whirlpool gehen sollen...

Ansonsten war ich abends mit Mandarin beschaeftigt, weil ich mit Ka. ab Montag wieder zu einem Mandarin-Kurs gehen werde und aufholen muss. Ich habe schliesslich seit mehr als 4 Jahren nichts mehr gemacht. Aber ich bin langsam wieder so fit, dass ich hoffe, mich bei dem Kurs (die Kleingruppe lernt schon seit einem knappen Jahr mit dem Lehrer) nicht vollkommen zu blamieren. Ich werde berichten. 

Da Ke. nicht da ist, wird ihre Maid bei mir aushelfen und auf den Linus aufpassen. So kann ich am Montag zu dem Kurs und am Samstag Abend mit S. Abendessen und dann zu Stand-up Comedy. Ich bin schon ganz aufgeregt! Ich war seit drei Monaten nicht mehr abends weg...:-)

Waehrend ich in der Stadt unterwegs bin, fallen mir immer tausend Sachen ein, die ich Euch schreiben moechte und wenn ich dann hier sitze, ist alles wie weggeblasen. Mal schauen, was mir noch so einfaellt.          Ach ja, ich habe ein Gegenbeispiel dafuer gefunden, dass hier Hune haupsaechlich aus kulinarischen Gruenden gehalten werden. Das mag in Kanton vielleicht stellenweise so sein, aber hier gibt es auch andere Beispiele. In unserem Haus sind einige Hunde und manchmal sieht man kleine Filipinas mit 2 Hunden an der Leine Gassi gehen. Da ist manchmal wirklich nicht klar, wer mit wem geht. Aber den Abschuss habe ich in dem hektischen Causeway Bay gesehen, waehrend ich mit L. auf den Bus wartete: ein Mann trug einen kleinen Hund auf dem Arm, der einen Glitzerbody trug und eine pinkfarbene sternenfoermige Sonnenbrille mit neongelben Raendern. Der wird bestimmt nicht auf dem Teller enden.

Sobald Li. da ist (wahrscheinlich bekommen wir das Visum fuer sie erst fruehestens ab Mitte Mai) und wir damit dann jemanden haben, der auf unseren Kleinen aufpassen kann, werde ich dringend einen Crashkurs Kantonesich machen muessen. Mit L. auf dem Arm werde ich staendig angesprochen und das fuehrt teilweise zu peinlichen Situationen. Vorgestern sprach uns vor unserer Haustuer die Putzfrau in einem Schwall Kantonesisch an und zeigte immer auf L. Dann fragte sie "Daddy?" und zeigte auf ihn. Da normalerweise jeder hin und weg ist von seinen blauen Augen und ich keine blauen Augen habe, haben schon manche gefragt, ob sie vom Papa sind. Ich ging davon aus, dass sie das auch meinte, vor allem, weil sie in Richtung seines Kopfes zeigte. Ich schuettelte also den Kopf und auch auf die Frage "Mumy?" verneinte ich und sagte "Grandma, Granddad", weil ich der Meinung bin, dass L. seine Augen nur von M.s Mutter oder meinem Vater haben kann. Das war aber wohl nicht die Antwort, die sie erwartet haette und sie verlegte sich nun auf Pantomime (ich dachte nur, bitte, lass den Fahrstuhl bald kommen, aber er war nicht schnell genug). Sie wackelte mit dem Zeigefinger und hielt ihn sich nach unten zwischen die Beine. Aha, sie wollte also nur wissen, ob er ein  Junge oder ein Maedchen ist! Kein Wunder, dass die meine Antwort recht verwirrt hat...

M. ist ja leider ueber zwei Wochenenden weg und eines davon ist auch noch ein langes. Waehrend der Woche habe ich damit kein so grosses Problem, weil da die Mit-Mamis ja auch Zeit haben, aber am Wochenende sind die ja alle mit ihren Maennern beschaeftigt und da ist das nicht ganz so leicht. Umso schoener, dass L. und ich uns morgen mit S. und ihrem Mann in der Stadt zum Mittagessen treffen werden. S. ist die Amerikanerin, mit der ich am Samstag auch weggehen werde. Es macht richtig Spass, wieder Amerikanisch zu sprechen mit ihr. Wir gehen uebrigens nach dem Essen noch in eine Ausstellung.....in eine Kuchenausstellung. Anscheinend werden dort die Endprodukte verschiedener Backer ausgestellt, die ihr Lieblingsbuch gebacken haben. Mal schauen, was da so dabei ist... die Bibel, Harry Potter, Die Anleitung zum Ungluecklichsein?