Freitag, 4. April 2008

Sturmfreie Bude

Jetzt hat es schon wieder eine ganze Weile gedauert, bis ich zum Schreiben kam, aber der Zwerg und ich waren recht beschaeftigt. M. ist seit Montag fuer zwei Wochen in Deutschland und wir machen jetzt alleine Hong Kong unsicher. 

Bevor er flog konnten wir zum ersten mal so richtig ausnutzen, dass der MBA nun vorbei ist und der Umzug auch so langsam hinter uns liegt. Wir gingen wandern! Man kann auf der kleinen Hong Kong Island naemlich trotz der vielen Hochhauser und der paar Millionen Menschen, die hier wohnen, tatsaechlich auch toll wandern! Wir fuhren mit einem anderen Paerchen und deren 6 Wochen und 2 Jahre alten Kindern zum Country Park und wanderten dort 3 Stunden lang am Wasserreservoir entlang Richtung Meer. Das letzte Stueck fuhren wir dann mit dem Taxi nach Stanley und assen dann dort am Strand zu Mittag. Dank der Kinder und ihren eingebauten Weckern (jeden Tag um 6), waren wir mit allen um 14 Uhr fertig und schon wieder zu Hause. Das gab uns noch Zeit zum Packen und danach noch mit L. hier im Hallenbad schwimmen zu gehen. Was fuer ein Luxus.....:-)   

L. hat einen Schwimmreifen, in den man ihn so anschnallen kann, dass er hinten selbst paddeln kann und vorne mit den Armen im Wasser ist. Er quiekte vor Vergnuegen und schwamm ganz alleine immer zwischen uns hin und her. Er war so selbstaendig, dass man sich richtig konzentrieren musste, nicht zu vergessen, dass er ja eigentlich gar nicht schwimmen kann. Aber danach schlief er natuerlich wie ein Stein und deswegen waren wir zwei diese Woche auch gleich noch zwei mal schwimmen zur strategisch guenstigen Zeit um 17:00. Das letzte mal hat er mich aber ausgetrickst und legte sich nur ganz entspannt mit den Armen auf seinen Reifen (wie eine alte Frau, die die Arme auf einem Kissen auf der Fensterbank abstuetzt) und liess ich treiben. Ich hatte vielleicht nicht mit ihm in den Whirlpool gehen sollen...

Ansonsten war ich abends mit Mandarin beschaeftigt, weil ich mit Ka. ab Montag wieder zu einem Mandarin-Kurs gehen werde und aufholen muss. Ich habe schliesslich seit mehr als 4 Jahren nichts mehr gemacht. Aber ich bin langsam wieder so fit, dass ich hoffe, mich bei dem Kurs (die Kleingruppe lernt schon seit einem knappen Jahr mit dem Lehrer) nicht vollkommen zu blamieren. Ich werde berichten. 

Da Ke. nicht da ist, wird ihre Maid bei mir aushelfen und auf den Linus aufpassen. So kann ich am Montag zu dem Kurs und am Samstag Abend mit S. Abendessen und dann zu Stand-up Comedy. Ich bin schon ganz aufgeregt! Ich war seit drei Monaten nicht mehr abends weg...:-)

Waehrend ich in der Stadt unterwegs bin, fallen mir immer tausend Sachen ein, die ich Euch schreiben moechte und wenn ich dann hier sitze, ist alles wie weggeblasen. Mal schauen, was mir noch so einfaellt.          Ach ja, ich habe ein Gegenbeispiel dafuer gefunden, dass hier Hune haupsaechlich aus kulinarischen Gruenden gehalten werden. Das mag in Kanton vielleicht stellenweise so sein, aber hier gibt es auch andere Beispiele. In unserem Haus sind einige Hunde und manchmal sieht man kleine Filipinas mit 2 Hunden an der Leine Gassi gehen. Da ist manchmal wirklich nicht klar, wer mit wem geht. Aber den Abschuss habe ich in dem hektischen Causeway Bay gesehen, waehrend ich mit L. auf den Bus wartete: ein Mann trug einen kleinen Hund auf dem Arm, der einen Glitzerbody trug und eine pinkfarbene sternenfoermige Sonnenbrille mit neongelben Raendern. Der wird bestimmt nicht auf dem Teller enden.

Sobald Li. da ist (wahrscheinlich bekommen wir das Visum fuer sie erst fruehestens ab Mitte Mai) und wir damit dann jemanden haben, der auf unseren Kleinen aufpassen kann, werde ich dringend einen Crashkurs Kantonesich machen muessen. Mit L. auf dem Arm werde ich staendig angesprochen und das fuehrt teilweise zu peinlichen Situationen. Vorgestern sprach uns vor unserer Haustuer die Putzfrau in einem Schwall Kantonesisch an und zeigte immer auf L. Dann fragte sie "Daddy?" und zeigte auf ihn. Da normalerweise jeder hin und weg ist von seinen blauen Augen und ich keine blauen Augen habe, haben schon manche gefragt, ob sie vom Papa sind. Ich ging davon aus, dass sie das auch meinte, vor allem, weil sie in Richtung seines Kopfes zeigte. Ich schuettelte also den Kopf und auch auf die Frage "Mumy?" verneinte ich und sagte "Grandma, Granddad", weil ich der Meinung bin, dass L. seine Augen nur von M.s Mutter oder meinem Vater haben kann. Das war aber wohl nicht die Antwort, die sie erwartet haette und sie verlegte sich nun auf Pantomime (ich dachte nur, bitte, lass den Fahrstuhl bald kommen, aber er war nicht schnell genug). Sie wackelte mit dem Zeigefinger und hielt ihn sich nach unten zwischen die Beine. Aha, sie wollte also nur wissen, ob er ein  Junge oder ein Maedchen ist! Kein Wunder, dass die meine Antwort recht verwirrt hat...

M. ist ja leider ueber zwei Wochenenden weg und eines davon ist auch noch ein langes. Waehrend der Woche habe ich damit kein so grosses Problem, weil da die Mit-Mamis ja auch Zeit haben, aber am Wochenende sind die ja alle mit ihren Maennern beschaeftigt und da ist das nicht ganz so leicht. Umso schoener, dass L. und ich uns morgen mit S. und ihrem Mann in der Stadt zum Mittagessen treffen werden. S. ist die Amerikanerin, mit der ich am Samstag auch weggehen werde. Es macht richtig Spass, wieder Amerikanisch zu sprechen mit ihr. Wir gehen uebrigens nach dem Essen noch in eine Ausstellung.....in eine Kuchenausstellung. Anscheinend werden dort die Endprodukte verschiedener Backer ausgestellt, die ihr Lieblingsbuch gebacken haben. Mal schauen, was da so dabei ist... die Bibel, Harry Potter, Die Anleitung zum Ungluecklichsein?

Keine Kommentare: