Wir sind jetzt schon 2 ½ Wochen in Hong Kong und es wird Zeit für einen ersten Bericht. An unserem Abreisetag ging es nach einer letzten Spielverabredung mit K. zurück, um die letzten Sachen einzupacken. Wir hatten schon viel vorbereitet, aber natürlich wurde es zum Ende noch etwas hektisch, besonders weil wir herausfanden, dass wir mit 109 kg 29 kg über unserem Limit lagen. Wie immer, machte ich mir deswegen Sorgen und M. war optimistisch, dass es kein Problem werden würde. Und wer hatte Recht? Er natürlich. Nachdem wir mit unserem Eco-Ticket einfach direkt zum First-Schalter gegangen waren, bekamen wir nicht nur ein Upgrade für eine Person, sondern erfuhren auch, dass das mit dem Übergepäck üüüberhaupt kein Problem sei. First Class Service ist schon was Tolles….
Ich war also riesig aufgeregt, weil wir nun tatsächlich Business fliegen würden und wollte, dass L. einen guten Eindruck macht, damit uns die ganzen Geschäftsreisenden, die viel Geld für ihr Ticket bezahlt bekommen hatten, nicht direkt rausschmeißen würden. Böse Blicke hätten mir in meinen Zustand eigentlich auch schon gereicht…Nun ja, L. hat ja viele tolle Eigenschaften, aber an dem Tag gehörte dezentes Babyverhalten nicht unbedingt dazu. Nachdem er morgens schon mit 39 Grad Reisefieber wachgeworden war, spuckte er beim Betreten des Flugzeugs erst einmal in die Gangway (gerade, als wir den Stewardessen zulächelten und versuchten, unverdächtig auszusehen). Wir verbrachten also die ersten Minuten an Board damit, mit den Stewardessen L. und uns sauber zu wischen, bevor wir zu unseren Sitzen gebracht wurden. Nun gut, das war schon einmal nicht so toll gelaufen.
Nachdem wir gestartet waren, brachten sie uns das Babybett und L. schlief drei Stunden lang. Wir aßen in Ruhe zu Abend und fingen gerade an zu entspannen und selbst müde zu werden, als er sich entschied, jetzt doch nicht mehr schlafen zu wollen. Er glühte immer noch trotz Paracetamol und schlief von dem Moment an nur noch 30 min am Stück und das auch nur auf meiner Brust. Dazwischen spuckte er M. einmal so komplett ein, dass er sich vollständig umziehen musste. Er sah schick aus so in seinem First Class Schlafanzug von der Purserin und seinem Sakko. Den van Laack Schlafanzug hielt M. erst für ein übermäßig großzügiges Geschenk der Purserin bis wir den Aufnäher „Lufthansa First Class“ entdeckten. Kein Wunder, dass ein First Class Flug so teurer ist. Der Flug zog sich also ein wenig und deswegen freute es uns umso mehr, dass wir nach der Ankunft mit einem Schild am Gate abgeholt wurden und direkt zu unserer neuen Bleibe gefahren wurden.
Abends machten wir uns in Whampoa, einem Vergnügungsviertel um unser Hotel in Hung Hom auf Kowloon, auf die Suche nach einem Restaurant und landeten bei einem Thailänder, in dem sie sich supersüß um L. kümmerten. Wir sollten eh bald die Erfahrung machen, dass wir wegen unseres blonden und blauäugigen Sohnes ständig angesprochen werden. Wie mit einem Popstar durch die Stadt zu laufen…
Am Sonntag wurde ich wach und merkte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Jetzt hatte ich auch 39 Grad Fieber. Wir mussten uns also als erstes auf die Suche nach einem Arzt machen und dank der Hilfe von M. Kollegen C. konnte ich direkt am Montag früh einen Termin für Montag Mittag in Central machen. Sonntag nachmittag fuhren wir noch einmal kurz mit der Fähre rüber nach Wan Chai zu M. neuem Büro und wollten ein wenig bummeln. Ich klappte aber schon bald zusammen und wir brachen unseren Ausflug ab. Was meiner Erholung nicht unbedingt diente, war dass L. extreme Anpassungsschwierigkeiten hatte. Er war unglaublich weinerlich und unausgeglichen und ich durfte mich keinen halben Meter von ihm wegbewegen.
Ein kurzer Exkurs zum Thema Einkaufen: Wie erwartet, gibt es in Hong Kong wirklich alles, was das Herz oder Kind begehrt. Ich habe Nutella, Deutschländerwürstchen, Ehrmann-Yoghurt, Babygläschen in Demeter Qualität und sonst auch wirklich alles gefunden, aber manche Dinge brauchen doch etwas länger. Milch zu finden zum Beispiel. Im Regal gab es x-verschiedene Sorten, aber selbst bei der angeblich „Pure Milk“ (hier ist man ja ein großer Fan davon, Milch noch besser zu machen und zu „tunen“), fand ich eine vierzeilige Auflistung der Zutaten und darunter stand „Contains milk“. Ich hätte ja eigentlich gehofft, dass „Pure Milk“ tatsächlich nur Milch enthält und hoffte, bei meiner „Supermark-Führung“ am Donnerstag mehr zu erfahren.
Um Leute kennenzulernen, hatte ich schon aus Deutschland einen Kurs bei dem YWCA gebucht und wollte mir 2 Stunden lang die Supermarkt-Angebote eines Jusco (japan. Supermarkt) erklären lassen. Aber die Führerin war auch Japanerin und eh kein großer Fan von Milch und meine Mitteilnehmer hatten nur den Vorschlag Milchpulver zu kaufen und mit Wasser zu mischen. Als ich die nette Amerikanerin dann fragte, ob man das denn dann auch zu Milch für den Capuccino aufschäumen könne, bekam ich nur zur Antwort „Oh, I don’t know about that. We are not that fancy in our place.“. Abgesehen davon war Supermarktführung sehr interessant und schon einmal ein guter Start.
Natürlich ist es hier sehr westlich und man kann es nicht mit einem Geschäft in der chinesischen Provinz vergleichen, aber bei manchen Dingen habe ich trotzdem nur ein großes Fragezeichen im Kopf: Wieso finde ich in dem gesamten Supermarkt kein Deo? Ich weiß ja, dass Asiaten weniger schwitzen, aber schwitzen die überhaupt nicht? Bei den vorgepackten Suppengemüse-Packungen, welchen Teil isst man und welcher Teil ist nur für die Brühe? An der warmen Theke: was wurde da frittiert? Fisch, Fleisch, Obst, Schweineknochen? M. hat mir gesagt, dass die Gelenkknorpel von Hühnerbeinen frittiert werden und als kleine Delikatesse gelten … Warum möchte man in einem Cafe beim Supermarkt „Chocolate French Toast“ mit Würstchen essen? Falsch verstandener Western Food? Ich nehme an, wenn wir japanische Teigtaschen mit thailändischer Sauce und chinesischen Stäbchen essen können, dann ist das nur fair. Bestellen werde ich es wohl aber trotzdem nicht.
Also, kurz zurück zu letzter Woche. M. ging drei Tage arbeiten und L. und ich beschäftigten uns soweit es unsere Erkältungen zuließen. Nach dem Arztbesuch am Montag, bei dem die Ärztin feststellte, dass L. auf dem Weg der Besserung war, ich aber kurz vor einer Mandelentzündung stand, hielten wir uns etwas bedeckt, was die Aktivitäten anging. Am Freitag besuchten wir einen Kollegen von M., den, der uns schon so toll mit dem Arzt geholfen hatte, und seine Familie in seiner Wohnung in Pokfulam. Pokfulam liegt im Südwesten von Hong Kong Island und man braucht von dort zwar zwischen 15 und 30 min in die Stadt, aber auch nur 10-20 min zu den Stränden im Süden. Wir wollten uns einmal die Wohnung ansehen, weil wir eventuell so etwas ähnliches über unsere Maklerin suchen wollten.
Der Komplex heißt „Bel Air on the Peak“ und ist etwas abgetrennt von dem normalen Stadtleben, aber die Wohnungen sind toll. Was für uns beide (das ist wohl typisch deutsch) besonders wichtig ist, sind die Bäder und die Küche und die sind dort der absolute Knaller. Aber wir reden trotzdem nur über so 90m² max., also keine riesige Wohnung für 4 Personen (M., L., Domestic Helper und ich). Wir haben danach noch ein paar Wohnungen in dem Komplex angesehen und nun für drei Angebote abgegeben. Blöd ist nur, dass die Mieten im letzten Jahr bis zu 70% gestiegen sind und die HR-Policy und die entsprechende Mietzahlung der Firma dem natürlich nun nicht mehr entsprechen. Das wird also noch lustig… Unsere Möbel kommen aber eh erst um den 10.März an. Wenn wir bis dahin eine Wohnung hätten, wäre aber schon toll.
Kurz noch einmal zu „Bel Air“: Der Komplex liegt direkt am Meer und besteht aus mehreren Hochhausverbänden. Jeder der drei Verbände besteht aus 8-9 Hochhäusern, jedes Hochhaus aus 38-43 Stockwerken mit ungefähr 3 Wohnungen pro Stockwerk. Da wohnen also wahrscheinlich mehr als 8.000 Leute. Leider werden diese Dinger momentan eher für den chinesischen neureichen Geschmack gebaut und der entspricht nicht unbedingt unserem… Es sieht in der Lobby aus, als ob Ludwig der XIV., den Papst und Elisabeth I. zu einer großen Orgie getroffen hätte. Da hängt sogar ein 3m hohes Bild von Sissi! Schon ironisch, wir Langnasen finden den zurückhaltenden „asiatischen“ Stil schick und die dekorieren sich zu Tode in Plüsch und Goldrahmen.
Wenn wir also nun unser Traumapartment bekommen, wisst Ihr schon ein wenig über unsere neue Nachbarschaft. Wenn nicht, dann hakt es aber ab unter „unnützes Wissen, mit dem ich vielleicht doch noch irgendwann einmal angeben kann….“.
Da unser Hotel ja am Hafen liegt, konnten wir am Freitag der chinesischen Neujahrsfeier mit Mi. und A. (M. anderer Kollege, den wir schon aus München kennen) und C. und Familie vom Dach unseres Hotels das Feuerwerk auf der Insel anschauen. L. trug den „chinesischen Prinzen“ Anzug von seiner Tante aus Shanghai und wurde natürlich entsprechend bewundert. Am Sonntag waren wir dann mit Mi. und A. frühstücken im Cafe Deco auf dem Peak. Eine schöne Aussicht hatte man allerdings nicht, da es hier eigentlich seit Wochen diesig ist.
Zu L.: er hat sich mittlerweile besser angepasst, ist aber immer noch schräg drauf,. Es kann aber auch einfach ein weiterer Schub sein. Er hat seit ein paar Tagen den zweiten Zahn (oben den zweiten Schneidezahn links – nicht so ganz normal) und es kommen mindestens 2 weitere, die ihm weh tun. Außerdem hat er seit 2 Tagen Brechdurchfall. Das ist besonders nett in einer Wohnung, in der man keine eigene Waschmaschine hat. Ich habe seine Sachen erst einmal ausgewaschen, bevor ich sie dann in die Hotelwäsche geben konnte und damit das Bad und die Küche recht intensiv „beduftet“. Wir nennen ihn jetzt den Prinz von Kacka-Kotzi-Land…
Besonders nett war, dass er mich an dem ersten Tag in 2 Wochen, an dem ich mich mal wie ein normaler Mensch und nicht wie eine Mama (wird ja eh dreckig…) angezogen hatte, auf dem Weg zur Immigration Office komplett angekotzt hat. Ich hatte ihn auf den Bauch gebunden in unserem neuen Baby-Carrier und er kotzte wie ein Springbrunnen. Wir saßen danach eine Stunden in der Immigration Office vor drei verschiedenen Angestellten, die sich alle wohl ziemlich gut überlegt haben müssen, ob sie so jemandem wie uns eine Hong Kong ID geben wollen.
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