Montag, 3. März 2008

Im Krebsgang

M. und ich haben literarische Wochen und dachten uns, was Günter Grass kann, das können wir schon lange. Im Krebsgang ist nämlich nicht nur Titel einer Novelle von ihm, sondern auch Überschrift unserer Wohnungssuche im Moment. Danke an alle, die uns schon gratuliert haben, aber da waren wir wohl etwas voreilig. Es geht dazu gerade zwei Schritte vor und drei zurück, um dann wieder einen vor und vier zurück zu gehen....

Nachdem wir dachten, alles wäre in Ordnung erklärte uns der Vermieter, dass er nun noch einen anderen eventuellen Mieter gefunden hätte, der mehr zahlen würde und wenn wir nun wieder unser Angebot erhöhen würden, dann wären wir wieder im Spiel. Das war, nachdem wir schon mit ihm in der Wohnung per Handschlag bekräftigt haben, dass wir die Wohnung auf jeden Fall möchten. Ja, ich weiß, eine weitere Lektion gegen Naivität - was erwarte ich hier auch schon von einem Handschlag? Aber wenn er von sich aus darauf einschlagen will, dann denkt man als Europäer irgendwie, das würde etwas bedeuten. Mein Vater hat wohl recht, das hat er bestimmt in einem Film gesehen und denkt sich, die Langnasen stehen auf sowas (jetzt muß ich wohl 5€ in die Kultur-Chauvi Kasse geben...). Nachdem wir mit der Firma gesprochen hatten, einigten wir uns in hektischen Telefonaten mit der Maklerin abends um elf darauf, noch einmal mitzugehen und auszusteigen, wenn er danach weiter verhandeln wollte. Dann stünden wir allerdings wieder komplett ohne Wohnung da.

Am Wochenende war der Vermieter nicht zu erreichen und dann hatte er sich auch schon etwas Neues einfallen lassen. Der Vertrag sollte nun nicht mehr am 11., sondern schon am8.3. anfangen, da er schneller mit der Renovation fertig geworden war und nun keine drei Tage Leerstand haben wollte. Dem haben wir dann auch zugestimmt, obwohl wir nicht wissen, wann der Container da ist und wir überhaupt richtig einziehen können. Er hätte gestern hier ankommen sollen und bräuchte dann noch eine Woche für den Zoll, aber wir haben noch nichts gehört. Dann hieß es, nun fehlten noch zwei weitere Monatsmieten zu der Anzahlung von einer Monatsmiete und damit er auch sicher sein könne, dass die kämen, wolle er nun die erste Rate "non refundable" machen. Bedeutet, er zahlt die 7.000€ nur zurück, wenn wir auch tatsächlich bis zum Freitag alles unterschrieben haben. Mittlwerweile sind an dem Vertragthema der Asienchef, der Asien-Personalchef, die Personalerin, ein Anwalt, die Maklerin, der Controller und eine Buchhalterin beteiligt und ich habe noch nicht einmal die Hälfte der Verwicklungen geschrieben. Alles in allen, sind wir seit Tagen recht intensiv damit beschäftigt und hoffen nun, dass es tatsächlich klappt, dass der Vertrag am Freitag unterschrieben wird (erst dann ist der Asienchef wieder da) und dann direkt per Kurier an den Vermieter geht. Der Vertrag würde dann direkt am Samstag beginnen. Mann, sind wir spontan.

Ich muß übriegens unserem Zwerg Abbitte leisten. Ich habe gestern noch im Brustton der Überzeugung erzählt, dass er noch keine einzige Nacht durchgeschlafen hätte und nun werde ich heute morgen wach und mir fällt erst nach einiger Zeit auf, dass er sich die Nacht über garnicht gemeldet hatte. Irgendwann ist man zu müde, um zu erkennen, dass man durchgeschlafen hat. Hiermit ist es nun also offiziell, der Zwerg kann durchschlafen. Da M. heute morgen nach Tokyo aufgebrochen ist und uns um 5:30 wachgemacht hat, konnte ich das nur nicht entsprechend genießen. Aber das wird wohl noch.

Wir mussten den kleinen Kerl gestern "operieren", nachdem wir am Sonntag Nachmittag auf dem Top Deck des Jumbo Seafood floating restaurants in Aberdeen waren. Das ist dort wie ein riesiges Schiffsdeck, auf dem man sehr lecker essen kann. Da es L. irgendwann zu langweilig wurde, fing er an, dort herumzukrabbeln. Wir hatten kein Problem damit und er war begeistert. Meine Begeisterung hielt sich dann allerdings in Grenzen, als ich gestern mindestens 7 Holzsplitter in seinen Händen entdeckte. M. hat sich dann darauf besonnen, dass sein Vater Chirurg ist und hat alle Splitter fachmänisch mit der Pinzette entfernt, während ich den weinenden und sich windenden L. festhielt. Der arme Kleine. Dabei hatte er schon einen harten Tag hinter sich.

Morgens waren wir zum ersten Mal in der Kindermusik. Das ist hier wie PeKip auf Speed. 50 min lang Singen, aufstehen, hüpfen, setzen, krabbeln, springen, Buch lesen oder essen, wieder singen.... und dazu die Stimmer der Lehrerin als ob man eine normale Stimmer in einer schnelleren Geschwindigkeit abspielen würde. Wahrscheinlich können die hier nicht so einen Weichkram wie bei uns machen, weil die die Kinder auf die hektische Stadt draußen vorbereiten müssen. Was soll's? L. fand es toll und hat sich gleich sehr wohl gefühlt. Was das andere Mütter kennenlernen angeht, war es allerdings nicht so ein Erfolg, weil da nur noch zwei weitere Mütter waren und der Rest waren neun Aunties (Maids, Domestic Helper, Kindermädchen, wie immer man sie auch nennen mag). Das hatte ich schon fast befürchtet.

Danach bekam L. noch eine Grippeschutzimpfung, die man hier auch den Kleinen gibt, weil bei 7 Millionen Einwohnern und noch einmal so vielen Touristen aus allen Teilen der Welt wollen sie auf Nummer sicher gehen. Ein Impfgegner hätte es hier wohl recht schwer.

Heute werden es wohl so um die 22 Grad und wir treffen uns mit K. und unternehmen etwas. Am besten auf der Südseite der Insel, da gestern schon wieder ein weiterer Luftverschmutzungsrekord gemessen wurde. Da unten ist die Luft besser und wir werden uns vielleicht am Strand von dem Wohnungsthema ablenken.

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