Sonntag, 18. Mai 2008

Die Alleserledigerin und ihre Laster


Nachdem ich ja vor Kurzem ein wenig gejammert habe, dass ich mich ohne Job ein wenig schwer tue, mich zu definieren, kommt nun die Entwarnung (voruebergehend...). Ich bin naemlich die Alleserledigerin.

Letzte Woche war M. wieder einmal weg (erst in Australien und dann Singapore) und ich nutzte die Zeit, um einfach ALLES zu erledigen. Ich telefonierte mehrfach mit unserem Telefonanbieter, um endlich eine richtige Telefonrechnung zu erhalten - die kommt nun schon den zweiten Monat falsch und langsam kenne ich mich da aus; trabte mit L. auf der Brust zu Ikea, um eine Vorratskiste fuer unsere Maid umzutauschen, ihr Bettwaesche etc. zu kaufen, eine Schranktuer umzutauschen und den Transport zu organisieren; telefonierte mehrfach mit unserem Tischlieferanten, um dann nach vier Anrufen bei DHL Asien die richtige Ansprechpartnerin fuer die Lieferung vom Flughafen hierher zu erhalten und kaufte noch einen Schrank fuer unseren Flur im Horizon Plaza ( 28 Stockwerke voller Moebelgeschaefte).... Dazwischen schmiss ich den Haushalt und liess den Trockner nun schon zum zweiten Mal reparieren. Bei dem war ein Teil gebrochen und hatte einen Kurzschluss ausgeloest, der mir dann den Kuehlschrank lahmlegte. Bei den Temperaturen hier ist das nicht zu empfehlen.

Und was meine ich nun mit meinen Lastern? Echte Laster, meine ich... Die mit den Raedern dran...

Es war naemlich alles andere als einfach, unseren Tisch zu erhalten und ihn dann auch auspacken zu duerfen. Nach (ungelogen) mehr als 10 Telefonaten mit der begriffsstutzigen Dame von DHL, die mich alleine 4 Mal anrief, um zu bestaetigen, wo wir wohnten, konnten wir uns dann auf einen Liefertermin einigen. 
Ein Auszug: "So you live in Tower 1, right?!" "No, we live in Tower 6." "OK. thank you."  Fuenf Minuten spaeter rief sie wieder an "So you live in Tower 1, right?!" "Nooooo, TOWER 6!" "OK, thank you." Fuenf Minuten spaeter: "So there is only one building an it is number 1, right?! " Noooooooo....!"   Ich war also schon vor der Lieferung kurz vorm Durchdrehen. Aber als die Herren uns mit dem Tisch dann endlich gefunden hatten, wurde es nicht zwingend besser. 

Erst einmal trugen sie eine riesige Holzkiste in die Wohnung, die mit mehr als 30 Schrauben und unzaehligen 10 cm langen Naegeln gesichert war. Dann noch eine grosse Pappkiste und schon war der Tisch zumindest mal in der Wohnung. Ich war auch schon vorbereitet und hatte, wie gewuenscht, einen Scheck auf den exakten Lieferbetrag auf die richtige Adresse ausgestellt. Der nur Kantonesisch sprechende Fahrer drehte und wendete meinen tollen Scheck allerdings skeptisch hin und her und rief dann erst einmal wieder meine Freundin bei DHL an.  Die teilte mir dann ueber sein Handy mit, dass sie leider keine Schecks von Privatpersonen annehmen koennten, sondern nur von Firmen. Nun bin ich aber leider keine Firma. Ob ich es nicht bar hatte? Nein, sonst haette ich ja nicht diesen daemlichen Scheck geschrieben. Was wir jetzt tun sollten? Sie wuerde das mit ihrem Chef klaeren und zurueckrufen. 

In der Zwischenzeit benutzten die Herren erste einmal unsere Toilette und wir standen dumm wartend in der Gegend rum, unterbrochen nur von einem wuetend zeternden Zwerg, das aus seinem Laufstall zu diesem spannenden Holzding auf dem Fussboden wollte. Nachdem es mir dann zu dumm wurde, schlug ich den Maennern mit Haenden und Fuesse gestikulierend vor, sie koennten mich ja auch zum naechsten Bankautomaten fahren und dann von mir das Geld in Cash bekommen und wir vergessen den Scheck. Nachdem das dann mit der Dame geklaert war, durfte ich oben auf ihren Laster klettern und dirigierte sie zum naechsten Automaten. 

Als sie dann die Scheine in der Hand hielten, fuhren sie zufrieden von dannen und ich konnte mich dem Problem der Holzkisten zuwenden. Unser Lieferant hatte es naemlich gut gemeint, und die 1 Meter auf 2 Meter Kiste so gut gesichert, dass ich eine Stunde brauchte, um die 30 Schrauben zu entfernen und die Kiste aufzuhebeln. L. sah mir dabei aus seinem Laufstall zu und war relativ friedlich. Wie sein Vater - der koennte mir auch stundenlang bei der Arbeit zusehen... Danach schleppte ich die schweren MDF-Platten vor die Haustuer und klaerte mit dem Management, dass die fuer 200 HKD entsorgt werden. Ich sage ja, ich bin die Alleserledigerin. 

Am Tag drauf erstand ich dann im Horizon Plaza den Schrank, den sich M. gewuenscht hatte und da er zu gross fuer ein Taxi war, bestellten wir einen Kleinlaster, bei dem L. und ich wieder vorne mitfahren durften. Er fuhr uns dann bis vor die Haustuer und die Putzfrau liess es sich nicht nehmen, mir den Schrank in die Wohnung zu tragen. Das war die gleiche, mit der ich dieses Gespraech im Flur ueber das Geschlecht von L. hatte und ich glaube, sie wollte unbedingt sehen, wie die Wohnung aussieht. Das war dann die Geschichte von meinem zweiten Laster. 


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