Freitag, 10. Oktober 2008

Ein Tag im Leben einer schwangeren Expat-Mama in Hong Kong

Unser kleiner Zwerg beendetet heute morgen um kurz nach sechs die Nacht und spielte erst noch eine Weile mit uns im Bett bevor es ihm dann zu dumm wurde und er fruehstuecken ging. Er nimmt dann meine oder M.s Hand und zieht uns aus dem Schlafzimmer raus. Da wir beide faule Hunde und keine Fruehaufsteher sind - ganz im Gegensatz zu unserem kleinen Monster - haben wir ihn heute morgen von unserer Perle fuettern lassen und der Papa hat danach noch mit ihm gespielt.

Um neun haben unsere Hilfe, der Kleine und ich mit Sack und Pack das Haus verlassen, weil sein Kindergarten im Victoria Park in Causeway Bay ein Picknick veranstaltete. Nachdem es die letzten Tage schon ein wenig kuehler geworden war (nur noch so 26 Grad), brannte heute die Sonne leider wieder ziemlich runter und wir brutzelten schnell vor uns hin. Aber ich war ja vorbereitet und wir hatten nicht nur fuer L. genug Wasser dabei, sondern die kugelige Mama hatte sich auch eine Flasche mit Wasser und Saft mitgenommen. Im Taxi ploppte leider der Deckel ab und meine Tasche wurde komplett ueberflutet. Wir konnten gerade noch mein Handy retten und dem Fahrer war es gluecklicherweise egal, dass er klatschnasse Scheine in die Hand gedrueckt bekam.

Im Park trafen wir dann ungefaehr hundertzwanzig hauptsaechlich chinesische Kinder unter drei mitsamt Helfern und teilweise den dazugehoerigen Mamas und Papas. Alle mit Kameras, ausser mir (ja, ja, die Schwangerschaftsdemenz...). Innerhalb weniger Minuten auf dem Spielplatz tropften wir alle froehlich in der Gegend rum und hatten die letzten Rentner verjagt, die gedacht hatten, dort in Ruhe Tai Chi machen zu koennen.

Wir sangen dann noch ein paar Lieder, teilten unsere Snacks (der Kleine war ueber und ueber mit Schokolade bekleckert) und bevor wir dann noch ein paar Spiele spielen konnten, gaben wir auf und schleppten den Kleinen heim. Im Taxi schlief er schon ein und wachte nicht einmal auf, als ich ihn zu Hause ins Bett legte.

Nach einem kurzen Mittagessen zu Hause, packte unsere Perle L. ein uns fuhr mit ihm wieder zum Kindergarten fuer zwei Stunden. Ich hatte in der Zwischenzeit einen Termin beim Arzt fuer ihn gemacht, weil er immer noch ein wenig hustete und mich endlich durchgerungen, einen Termin fuer seine Beschneidung zu machen (wahrscheinlich schreibe ich dazu spaeter mehr). Nach einer Stunde ging ich runter zur Lobby und traf mich mit zwei Maedels, um wieder in die Stadt in den China Tea Club zum High Tea zu fahren. Wir hatten das schon vor Wochen verabredet, weil die vierte im Bunde da unbedingt vor ihrer Entbindung noch hin wollte. Auf dem Weg teilte sie uns aber leider mit, dass sie statt auf dem Weg zu uns so gut wie auf dem Weg ins Krankenhaus war. Aber da hier ja fast jeder entweder frisch entbunden oder schwanger ist, kann sowas dann schon mal vorkommen....

Unsere immer noch recht Hong Kong-fremde Hilfe fand dann gluecklicherweise den Weg vom Kindergarten zum Restaurant und brachte mir L., der nach einem halben Muffin und zwei Keksen mit mir dann direkt zum Arzt aufbrach. Dort spielte er erst in Ruhe, um dann der Aerztin zu zeigen, wie laut er doch schon schreien kann, als sie versuchte, seinen Brustkorb abzuhoeren. Er erinnerte sich wohl an die letzte Impfung und war nicht sehr beeindruckt, da nun wieder hin zu muessen.

Danach versuchte ich mit ihm auf dem Arm zur Feierabendzeit in Central ein Taxi zu bekommen und das ist schon ungefaehr so, wie man sich das aus New York vorstellt, nur dass man hier nicht alte Damen umschubsen muss, um eins zu bekommen. Man muss nur sehr, sehr lange warten. Da Warten nicht unbedingt die Staerke des 17-Monate-alten auf meinem Arm ist, entschied ich mich dafuer, die Strasse entlang zu laufen und eins anzuhalten. Im naechsten Stadtviertel fand ich dann endgueltig ein freies Taxi, bei dem sich leider nach kurzer Zeit rausstellte, dass er keine Ahnung hatte, wo ich hinwollte oder wie man da hinkam. Wir bemerkten das dummerweise erst, als er schon an einer wichtigen Kreuzung vorbeigefahren war und ich ihn dann durch ein Strassengewirr aus Einbahnstrassen navigieren musste, um auf eine Parallelroute zu kommen. Ich muss mir jetzt endlich einen Spickzettel fuer meine Kantonesichvokabeln schreiben, weil mir genau in solchen Momenten die richtigen Worte nicht einfallen und genau solche Taxifahrer dann kaum englisch verstehen. Aber immerhin war er nett und es war ihm furchtbar peinlich, dass wir so in der Gegend rumkurven mussten. L. hielt ihn aber freundlicherweise mit Lippenpupsen auf meinem Arm bei Laune und spielte da die Tonleiter hoch und runter.

Jetzt ist es schon halb zwoelf und ich habe L. ins Bett gebracht, zu Abend gegessen, geskypt und meinem Maedel im Bauch bei der Gymnastik zugeschaut. Jetzt gehe ich langsam ins Bett und freue mich auf morgen, denn mir geht es hier gerade richtig gut.

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